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Skyline einer asiatischen Großstadt

Die Hitze der Städte

Das rasche Wachstum von großen Städten erwärmt das Klima regional. In Megacitys kann dieser Effekt laut US-Forschern stärker ausfallen als der allgemeine Temperaturanstieg, der durch den Klimawandel verursacht wird.

Klimaforschung 13.08.2012

Darf's ein bisschen mehr sein?

Plus vier Grad Celsius: Diesen zusätzlichen Temperaturanstieg in den Städten dürften manche Einwohnerinnen und Einwohnern Arizonas bis Mitte des Jahrhunderts zu spüren bekommen. Zurückzuführen ist der Effekt auf das Wachsen von Metropolregionen. Zunehmende verbaute Flächen und weniger Grünflächen machen die Städte heißer.

Die Studie:

"Summer-time climate impacts of projected megapolitan expansion in Arizona " ist in "Nature Climate Change" (12. August 2012) erschienen.

Links:

Arizona Sun Corridor (Wikipedia, englisch)
Urban Heat (Wikipedia, englisch)
Stadtklima (Wikipedia)
Megaregionen in den USA (Wikipedia, englisch)

Dieser Temperaturanstieg spielt für die zukünftige Erwärmung in den Städten eine größere Rolle als der Klimawandel, schreiben Wissenschaftler um den Meteorologen und Klimaforscher Matei Georgescu von der Arizona State University. Untersucht haben sie den "Arizona Sun Corridar" im trockenen Süden Arizonas mit den Städten Phoenix, Tucson, Prescott und Nogales.

Es ist dies die am schnellsten wachsende "Megaregion" der USA. Mit diesem Begriff werden elf große städtische Agglomerationen bezeichnet. Andere liegen um Beispiel um die Great Lakes, in Kalifornien und um New York.

Schnelles Wachstum

Arizona weist eine der höchsten Wachstumsraten der Bevölkerung in den USA aus: in den 90er Jahren 40 Prozent und zwischen 2000 und 2012 knapp 25 Prozent. Für das gesamte Colorado River Basin, das sich über Arizona und Nevada erstreckt, wird erwartet, dass bis 2030 dort 23 Millionen Menschen mehr als heute leben werden, ein Viertel davon in Arizona, das 2010 etwas mehr als sechs Millionen Einwohner hatte.

Die vier Grad Celsius waren das Extrem der zusätzlichen Erwärmung im Sommer aufgrund der Stadterweiterung, das die Forscher in ihren Szenarien berechnet haben. Im besten Fall stünden den Menschen der Region aber immer noch um zwei Grad höhere Temperaturen im Sommer bevor.

Schwierige Prognosen

In Phoenix stieg die Durchschnittstemperatur seit den 50er Jahren bis in die 90er Jahre bereits kontinuierlich - von circa 31 auf circa 33 Grad Celsius. Zudem ist zu beobachten, dass Temperaturschwankungen immer seltener werden, ein Effekt, der den Forschern zufolge in einer weniger urbanen Gegend in Arizona nicht zu beobachten war.

Dennoch betonen die Wissenschaftler, dass eine exakte Vorhersage schwierig ist. Zu viele Faktoren beeinflussen im Detail den Temperaturanstieg: der tatsächliche Verlauf der Stadtentwicklung, das Ausmaß, indem natürliches Gebiet in verbautes umgewandelt wird, und letztlich, wie es mit den Treibhausgasemissionen und dem Klimawandel auf globaler Ebene weitergehen wird.

Kühlende Dächer

Allerdings ließe sich einiges gegen die sommerliche, städtische Hitze unternehmen: Wenn alle neuen Gebäude stark reflektierende, weiße oder kühlende, begrünte Dächer bekämen, ließe sich der zukünftige Temperaturanstieg auf die Hälfte reduzieren, haben die Wissenschaftler berechnet.

Vor allem in großen Städten könnte dies viel nutzen. Sie sind im Zentrum immer heißer als am Stadtrand, ein Phänomen, das jeder kennt und das in der Stadtplanung als "städtische Wärmeinsel" oder "Urban Heat" bekannt ist.

Weniger Regen

Das lokale Klima beeinflusst jedenfalls auch den Wasserhaushalt der Region. Je mehr verbaute Fläche vorliegt, umso weniger Wasser verdunstet, und umso geringer sind die Niederschläge - und das dann ausgerechnet in einer wachsenden Region mit steigendem Wasserbedarf.

Georgescu und seine Kollegen schlagen aufgrund der Ergebnisse vor, dass Anpassungsstrategien an den Klimawandel daher nicht nur globale Durchschnittstemperaturen berücksichtigen sollten, sondern auch regionale Extreme und Besonderheiten.

Mark Hammer, science.ORF.at

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