Standort: science.ORF.at / Meldung: "Sex: Erregung hemmt Ekelgefühle"

Junge Frau hält sich die Nase zu

Sex: Erregung hemmt Ekelgefühle

Ungewöhnliche Szenen in einem niederländischen Forschungslabor: Wissenschaftler haben jungen Probandinnen einen "frauenfreundlichen Softporno" vorgeführt - und herausgefunden: Sexuelle Erregung hemmt offenbar Ekelgefühle.

Versuch 13.09.2012

"Sex kann schmutzig sein, aber die meisten Menschen scheint das nicht zu stören", schreiben die Autoren in der Studie. Dabei seien Liebesspiel und Ekel beide evolutionär von hoher Bedeutung - aber dennoch völlig gegensätzlich assoziiert. Und das, obwohl erotische Mitbringsel wie Speichel, Schweiß, Sperma und Körpergeruch zu den stärksten Ekel-Auslösern gehörten.

Dieser Widerspruch war bereits Sigmund Freud aufgefallen. Er notierte anno 1905 in der ersten seiner Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie: "Ein Mann, der den Mund eines hübschen Mädchens mit Hingabe küssen will, mag von der Idee abgestoßen sein, ihre Zahnbürste zu verwenden."

Insekt in der Tasse

Die Studie:

"Feelings of Disgust and Disgust-Induced Avoidance Weaken following Induced Sexual Arousal in Women" von Charmaine Borg und Peter de Jong ist am 12.9. in "PLoS One" erschienen.

Die Forscher teilten die 90 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren in drei gleichgroße Gruppen auf. Diejenigen, die den Softporno gesehen hatten, bewerteten vor allem die Ekel-Aufgaben, die irgendetwas mit Sex zu tun hatten, als weniger abstoßend als die anderen Teilnehmerinnen. Sie erledigten mit 89 Prozent auch die meisten der anderen Ekel-Aufgaben - etwa: Händeabwischen in einem schmutzigen Papiertuch, Trinken aus einer Tasse mit einem Insekt darin.

Tatsächlich waren die Versuche nicht unhygienisch - das Tuch war gefärbt worden und das Insekt tatsächlich aus Plastik. Doch das blieb den Probandinnen verborgen. Die Vergleichsgruppen erreichten jedenfalls niedrigere Prozentsätze: 65 Prozent bei jenen, die statt des Softpornos einen lustigen Sportfilm gesehen hatten, 74 Prozent bei jenen, die einen neutralen Film betrachtet hatten.

Die Studie zeige, dass die Auswirkung der sexuellen Erregung auf Ekelgefühle enorm wichtig sei, um, Zitat: "ein vergnügliches Liebesspiel zu ermöglichen". Ältere Untersuchungen hätten schon belegt, dass sich Erregung auf Männer ganz ähnlich auswirke.

science.ORF.at/dpa

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