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Mehrere geisteswissenschaftliche Zeitschriften aus Österreich liegen übereinander

FWF fördert neue Open Access-Zeitschriften

Der Wissenschaftsfonds FWF will die Gründung von Open Access-Fachzeitschriften im Bereich Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) fördern. Gestern wurde eine Anschubfinanzierung vorgestellt, für die insgesamt 500.000 Euro zur Verfügung stehen.

Geisteswissenschaften 12.10.2012

Mit Open Access soll der freie und kostenlose Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen im Internet ermöglicht werden. Der Open-Access-Experte des FWF, Falk Reckling, bezeichnete die Initiative als "Experiment", man folge damit einem Beispiel der Niederlande. Gefördert werden sollen ausschließlich hochqualitative Initiativen, gleich ob Neugründungen oder neue Open Access-Initiativen bestehender Publikationen.

Geplant ist laut FWF-Chef Christoph Kratky und der Leiterin der Forschungssektion im Wissenschaftsministerium, Barbara Weitgruber, ein zweistufiges Verfahren: Um die Nachfrage zu prüfen, können bis Anfang April 2013 Interessensbekundungen abgegeben werden. Im FWF gehen die Schätzungen auseinander, man rechnet zwischen 20 und 100 Interessenten. Wenn es wenige Anträge gebe, sei dies auch kein Schaden, solange es gute seien, meinte Kratky. Nach Begutachtung soll Mitte Mai dann die Einladung für Vollanträge erfolgen, eine Entscheidung Ende kommenden Jahres fallen.

Hohe Qualität steht im Vordergrund

Die Anschubfinanzierung beträgt 50.000 Euro für maximal drei Jahre, bei besonders hohen bzw. innovativen Standards kann sie bis auf 100.000 Euro steigen. "Wir werden sicher nicht Dutzende Zeitschriften fördern, das wird sich auf sechs bis sieben beschränken - wenn wir das erreichen, war das Experiment ein Erfolg", sagte Kratky. Denn man legt beim FWF besonderen Wert auf hohe Qualität, etwa ein Herausgeber-Gremium ("Editorial Board") mit international anerkannten Experten oder Indizierung in den wichtigsten Datenbanken. Kratky hält das "Editorial Board" für den "Knackpunkt", "wenn eine charismatische Persönlichkeit aus Österreich ein paar internationale Kapazunder einlädt und die mit ihrem Namen für die Qualität stehen, dann kann's etwas werden", so Kratky.

Zudem müsse die finanzielle Gebarung nach der Anschubfinanzierung sichergestellt sein, entweder durch Übernahme der Kosten durch die Forschungseinrichtung bzw. Uni oder durch einen Businessplan, wo die Finanzierung etwa durch Autoren-Gebühren erfolgt. Kratky verwies darauf, dass eine renommierte Zeitschrift auch das Renommee einer Universität hebe, "Oxford oder Harvard University Press sind leuchtende Marken, die auch auf ihre Institution zurückstrahlen".

"State of the Art"

Für Weitgruber wird Open Access "zunehmend State of the Art in der Wissenschaft", dies werde auch durch den Generationswechsel bei den Forschern unterstützt. Mit der Initiative sollen auch die heimischen GSK eine "Internationalisierung erfahren" und der Wissenschaftsstandort gestärkt werden. "Wir werden damit keine 'Nature' oder 'Science' der GSK schaffen", sagte Reckling, derzeit würde aber im GSK-Bereich zu wenig international und zu wenig qualitätsgesichert publiziert.

In Österreich gibt es derzeit laut Reckling rund 260 wissenschaftliche Zeitschriften, etwa 60 Prozent davon aus dem GSK-Bereich. Das Spektrum reiche dabei "von regional bis renommiert". In bibliometrischen Datenbanken indiziert und damit mit Impact-Faktor versehen sind allerdings nur 45 bis 50 Zeitschriften, etwa die Hälfte davon aus dem GSK-Bereich und etwa sechs bis sieben "sehr renommiert". Drei davon erscheinen Open Access, etwa das "Vienna Yearbook of Population Research" oder "Living Reviews in European Governance".

science.ORF.at/APA

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