Standort: science.ORF.at / Meldung: "Freude: Musik in unseren Ohren "

Lächelnde Frau

Freude: Musik in unseren Ohren

"Musik ist die Sprache der Leidenschaft", soll Richard Wagner einst gesagt haben. Psychologen bestätigen ihn: Musik und Sprache hängen zusammen. Sie beanspruchen ähnliche Gehirnfunktionen.

Sprache 30.10.2012

Schon Charles Darwin vermutete in der "Abstammung des Menschen", die menschliche Sprache sei aus einer "musikalischen Protosprache" hervorgegangen. Eine These, die bis heute unter Linguisten ernsthaft diskutiert wird. Zumindest lässt sich sagen: Sprachen haben ein melodisches Element. Laut Manuela Marin gilt auch das Umgekehrte. Ist die melodische Wahrnehmung gestört, stellen sich auch sprachliche Defizite ein.

Die Studie

"Reduced sensitivity to emotional prosody in congenital amusia rekindles the musical protolanguage hypothesis", PNAS (doi: 10.1073/pnas.1210344109).

Die Psychologin von der Universität Wien rekrutierte Testpersonen, die an "kongenitaler Amusie" leiden - ein angeborenes Defizit in der Musikwahrnehmung. Diesen spielte sie Sätze neutralen Inhalts vor, die jedoch keineswegs neutral gelesen wurden: Die Sprecher versuchten damit Freude, Zärtlichkeit, Furcht, Traurigkeit oder Ärger auszudrücken. Wie Marin mit zwei Kollegen im Fachblatt "PNAS" schreibt, hatten die amusischen Testpersonen (im Gegensatz zur Kontrollgruppe) mitunter Schwierigkeiten, die Emotionen zu erkennen. Am schlechtesten schnitten sie beim Gefühl der Freude ab: Was nicht überrascht, "weil hier die Intonation der Sprache sehr wichtig ist. Um Freude auszudrücken, machen wir sehr große Tonhöhenunterschiede", sagt Marin gegenüber der APA.

Ebenfalls Schwächen hatten die "kongenitaler Amusiker" beim Erkennen von Zärtlichkeit und Traurigkeit: Dass zwischen Sprache und Musik eine Verbindung besteht, wurde damit bewiesen. Ob sie aber auch einen gemeinsamen evolutionären Ursprung haben, sei damit noch nicht gesagt, meint Marin: "Das ist empirisch sehr schwierig zu testen." Falls die Theorie stimmt, sollte das Phänomen jedenfalls auch in anderen Kulturen auftreten.

Robert Czepel, science.ORF.at

Mehr zu diesem Thema: