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Elefantenauge

Ein Elefant, der Koreanisch spricht

Koshik, ein Asiatischer Elefant aus dem Everland-Zoo in Südkorea, verblüfft die Wissenschaft: Er imitiert die Sprache von Menschen - offenbar so gut, dass ihn selbst Passanten verstehen können.

Verhalten 02.11.2012

"Vor sechs Jahren tauchte im Internet ein Video von Koshik auf. Wir wussten zunächst nicht, was wir davon halten sollten", erzählt Angela Stöger-Horwath im Gespräch mit science.ORF.at. Kurz darauf bekam die österreichische Verhaltensbiologin eine Email aus dem Everland-Zoo mit der Bitte, sie möge sich die Sache doch genauer ansehen.

Stöger-Horwath ist Spezialistin für die Lautäußerungen von Elefanten. Sie wies kürzlich etwa nach, dass sich ein Afrikanischer Elefant namens Calimero die Laute Asiatischer Elefanten angeeignet hatte. Schon das wies auf eine gewisse "Fremdsprachenbegabung" hin. Koshik aus Südkorea ist in dieser Hinsicht offenbar noch versierter.

Sprechtechnik: Mit vollem Mund reden

Die Studie

"An Asian elephant imitates human speech", Current Biology (1. November 2012; doi: 10.1016/j.cub.2012.09.022).

Er beherrscht fünf koreanische Wörter: "annyong" (hallo), "anja" (setz dich), "aniya" (nein), "nuo" (leg dich hin) und "choah" (gut). Und er spricht sie immerhin so exakt aus, dass ihn auch Koreaner beim ersten Hören verstehen. Stöger-Horwath hat der Sache nun den wissenschaftlichen Sanktus per Statistik und Lautanalyse gegeben. "Vokale wie a, e, i spricht Koshik sehr gut aus", sagt sie. "Mit den Konsonanten hat er noch Schwierigkeiten".

Aufnahme im Everland-Zoo

Current Biology, Stoeger et al.

Stöger-Horwath und ihr Kollege Daniel Mietchen bitten Koshik um eine Sprechprobe.

Das sei dem Dickhäuter verziehen, schließlich hat er statt der Oberlippe einen Rüssel und außerdem einen viel größeren Vokaltrakt als der Mensch. Dass er dennoch wie ein Koreaner klingt, verdankt er seiner eher unkonventionellen Sprechtechnik. Imitiert er seine Pfleger, steckt er den Rüssel in den Mund. "Er tut das, um die Klangfarbe anzupassen."

Versteht er auch, was er spricht? Wenn, dann nur in einem sehr rudimentären Sinn, sagt Stöger-Horwath. "Koshik hat wie ein Hund gelernt, auf Phrasen wie 'nein' oder 'hinlegen' zu reagieren. Und er kann diese Phrasen auch wiederholen. Aber er sagt zum Beispiel nicht 'nein - hinlegen', wenn er keine Lust hat sich hinzulegen."

Video

Der Dialog im Wortlaut: Koshik: "choah" (gut) Trainer: "choah choah annyong" (gut gut hallo) Koshik: "choah" (gut) Trainer: "choah choah annyong" (gut gut hallo) Koshik: "choah" (gut) Trainer: "choah choah" (gut gut) Koshik: "choah" (gut) Trainer: "annyong" (hallo) Koshik: "choah" (gut) Trainer: "annyong" (hallo)

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Letztlich hätten die erworbenen Laute vor allem soziale Funktion, erklärt die Verhaltensbiologin. Koshik kam nämlich im jugendlichen Alter von fünf Jahren in den Everland-Zoo und war dort sieben Jahre der einzige Elefant. Die menschlichen Laute hat er sich vermutlich angeeignet, um Nähe zu seinen Kontaktpersonen, den Pflegern, aufzubauen.

Ähnlich war es übrigens bei Calimero, dem Afrikaner. Er war als Kind nur von Asiatischen Elefanten umgeben - ein Umstand, der sich ebenfalls seinem sprachlichen Repertoire eingeprägt hat. Elefanten sind übrigens neben Vögeln nicht die einzigen Tiere, die Laute imitieren können.

Menschenaffen können es nicht

Ö1-Sendungshinweis

Über diese Studie berichtet auch "Wissen aktuell", Fr., 2.11.2012, 13:55 Uhr.

Wissenschaftlich belegt ist etwa die Geschichte eines Fischers aus Maine. Er hat einen Seehund großgezogen und ihm einige englische Phrasen beigebracht. Und erst letzte Woche berichteten US-Biologen von einem Belugawal, der seinen Namen "Lagosi" aussprechen konnte.

Stellt sich die Frage: Warum sind eigentlich Menschenaffen in diesem Fach so unbegabt? Bislang sind alle Versuche, Affen zum Sprechen zu bringen, gescheitert. Der Vokaltrakt wäre nicht das Problem. Im Gegenteil, der wäre sogar sehr gut geeignet, sagt Stöger-Horwath. Offenbar fehlen Menschenaffen die neuronalen Voraussetzungen, um das Gehörte zu imitieren - mithin sofort ins "Gesprochene" zu übersetzen.

"Dafür bedarf es direkter Verbindungen zwischen den Hörregionen im Gehirn und den Muskelsteuerungszentren für Kehlkopf und Zunge", so Stöger-Horwath. Nicht auszudenken, was Zoowärtern zu Ohren käme, wenn Schimpansen diese Verbindung besäßen.

Robert Czepel, science.ORF.at

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