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Volle Espressotasse

Koffein macht gute Wörter besser

Eine Tasse Kaffee verbessert die Wahrnehmung von Wörtern, berichten Psychologen. Der Effekt stellt sich aber nur bei positiven Bedeutungen ein - neutrale und negative Wörter scheinen gewissermaßen koffeinresistent zu sein.

Psychologie 08.11.2012

66 Probanden bat der deutsche Psychologe und passionierte Kaffeetrinker Lars Kuchinke kürzlich in sein Labor - und empfing sie mit einem Tablettchen Koffein statt eines Tässchens Kaffee (der kontrollierten Dosis wegen 200 Milligramm). Dann begann ein Test im Dienste der Wissenschaft. Die Probanden mussten reguläre Wörter von solchen mit vertauschten Buchstaben unterscheiden. Wie Kuchinke im Fachblatt "PLoS One" schreibt, verbesserte die Koffeindosis tatsächlich die Leistung: allerdings nur bei positiven Wörtern wie Flirt, Humor und Reichtum.

Das Ergebnis ist nicht so überraschend, wie es auf den ersten Blick aussehen mag. Bereits frühere Studien hatten gezeigt, dass Gefühle die Gedächtnisleistung verbessern, etwa beim Erkennen von Bildern und Geräuschen. Bei der Verarbeitung von Gesichtern sind indes nur positive Konnotationen wirksam. Fröhliche Gesichter bleiben offenbar besser im Gedächtnis haften als traurige.

Effekt in linker Hirnhälfte

Die Studien:

"Caffeine improves left hemisphere processing of positive words" von Lars Kuchinke und Vanessa Lux sowie "The impact of climate change on indigenous arabica coffee: Predicting future trends and identifying priorities" von Aaron Davis und Kollegen sind am 7.11. in "PLoS One" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmete sich auch ein Beitrag in "Wissen aktuell" am 8.11. um 13.55 Uhr.

Dass das bei Wörtern auch so ist, könnte mit der Asymmetrie des Gehirns zu tun haben. Sprache wird beim Großteil aller Rechtshänder vor allem in der linken Hirnhälfte verarbeitet. Wie Kuchinke schreibt, trat der förderliche Effekt des Koffeins nur dann auf, wenn die Wörter im rechten Sehfeld präsentiert wurden, das (ganz zu Beginn) ebenfalls in der linken Hemisphäre verarbeitet wird.

Das Bindeglied dürfte der Botenstoff Dopamin sein. Koffein regt die Bildung von Dopamin an - und verstärkt offenbar auf diese Weise vorhandene Einseitigkeiten im Gehirn. Dass Kaffeetrinker einen positiveren Blick auf die Welt hätten, sei "leider nicht direkt" der Fall, sagte Kuchinke gegenüber der dpa. Bisher war Kaffee vor allem als Wachmacher und in geringerem Maße auch als Stimmungsaufheller bekannt. Dass er via Dopamin auch die sprachliche Kompetenz verbessert, wird Kaffeeliebhaber vermutlich freuen.

Kaffeepflanzen bedroht

Weniger freuen dürfte diese hingegen eine Studie, die nun ebenfalls in "PLoS One" erschienen ist. Darin berichten Forscher des Royal Botanic Garden in Kew, Großbritannien, dass Kaffeepflanzen sehr sensibel auf den Klimawandel reagieren könnten.

Konkret geht es in der Studie um die Art Coffea arabica, die den qualitativ besten Kaffee liefert. Der Botaniker Aaron Davis hat mit seinen Kollegen einige Modelle am Computer durchgespielt, um die Zukunft der afrikanischen Arabica-Wildpflanzen vorherzusagen. Im schlimmsten Fall könnten 99,7 Prozent aller Populationen bis 2080 verschwinden, schreibt er. Am wahrscheinlichsten sei ein Verlust von zwei Dritteln.

Dieses Ergebnis sagt zwar nicht direkt etwas über die kommerziellen Kaffeeplantagen aus, eine gute Nachricht ist es gleichwohl nicht. Denn diese Plantagen seien genetisch sehr einförmig und daher anfällig gegenüber Parasiten, Krankheiten und widrigen Umweltbedingungen, so Davis weiter. Ohne frisches Genmaterial aus der Natur sehe es auch für die Monokulturen nicht besonders gut aus.

Robert Czepel, science.ORF.at

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