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Schlafende Frau

Schlafentzug führt zu Liebesentzug

Viele Menschen fühlen sich in ihrer Beziehung nicht ausreichend gewürdigt und wünschen sich mehr Aufmerksamkeit von ihrem Partner. Eine Studie der amerikanischen Universität Berkeley hat nun einen möglichen Grund für diese Beziehungsprobleme gefunden: Schlafmangel.

Psychologie 21.01.2013

Menschen, die unter Schlafentzug leiden, sind offenbar zu müde, um „Danke“ zu sagen. Zu diesem Schluss kommen zwei Psychologinnen der Universität Berkely in Kalifornien. "Schlechter Schlaf scheint die Menschen egoistischer zu machen und die eigenen Bedürfnisse erscheinen dann wichtiger, als die des Partners“, erklärt Amie Gordon, Hauptautorin der Studie, in einer Presseaussendung. Viele Menschen brüsten sich damit, besonders wenig geschlafen zu haben bzw. nur wenig Schlaf zu brauchen, um sich zu erholen.

Dieser Umstand inspirierte Amie Gordon, das Verhältnis von Schlafverhalten und Liebesleben zu untersuchen. Die Psychologin hat ihre Forschungsergebnisse am 19. Jänner bei der Jahrestagung der "Society for Personality and Social Psychologists" in New Orleans vorgestellt.

Wenig Schlaf, geringe Wertschätzung

Für die Untersuchung wurde das Schlafverhalten von mehr als 60 Paaren, im Alter von 18 bis 56 Jahren, analysiert. In einem Experiment mussten die Versuchsteilnehmer ein Tagebuch führen. Dort mussten sie die Qualität ihrer Nachtruhe laufend dokumentieren und in wie weit die Wertschätzung gegenüber dem Partner davon beeinflusst wurde.

In einem weiteren Experiment wurden den Paaren Aufgaben zur praktischen Problemlösung gestellt und sie wurden dabei gefilmt. Diejenigen, die in der Nacht zuvor schlecht oder kurz geschlafen hatten, waren weniger kooperationsbereit und zeigten weniger Wertschätzung, als die ausgeschlafenen Versuchsteilnehmer.

Öfter "Danke" sagen

Insgesamt zeigt sich, dass ein Mangel an nächtlicher Erholung zu Beziehungsproblemen führen kann. Die Unausgeschlafenen werden unsensibler für die Bedürfnisse und Stimmungen des anderen. So kann natürlich auch Schnarchen oder der Kampf um die Bettdecke zu einem Beziehungsproblem werden. „Sie haben vielleicht wie ein Baby geschlafen“, sagt Amie Gordon, „aber wenn es ihrem Partner nicht so gegangen ist, dann werden sie wohl beide früher oder später mürrisch werden.“

Wie kann man solche schlafbedingten Beziehungsprobleme entschärfen? "Vergewissern sie sich, dass sie 'Danke‘ sagen, wenn ihr Partner etwas Nettes macht“, rät die Psychologin Gordon. "Lassen sie den anderen wissen, dass sie ihn oder sie schätzen.“

science.ORF.at

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