Standort: science.ORF.at / Meldung: "Putzende Männer haben weniger Sex "

Ein Mann und eine Frau liegen im Bett, man sieht nur ihre Füße

Putzende Männer haben weniger Sex

Verheiratete Männer, die häufig kochen und putzen, haben laut einer Studie unterdurchschnittlich oft Sex. Gartenarbeit und Reparaturen scheinen dem männlichen Liebesleben hingegen zuträglich zu sein: Jene, die sich auf traditionell "maskuline" Haushaltsarbeiten konzentrieren, sind offenbar sexuell aktiver.

Umfrage 31.01.2013

Forscher um Sabino Kornrich vom Center for Advanced Studies am Juan-March-Institut in Madrid haben mehr als 7.000 Männer und Frauen zu Haushaltspflichten und ihrem Sexleben befragt. Die Teilnehmer hatten durchschnittlich 5,16 Mal Sex pro Monat. Paare mit traditionellem Rollenverständnis erwiesen sich in Liebesdingen aktiver, wenngleich der statistische Unterschied nicht besonders groß ist.

Kornisch präsentiert im Gespräch mit science.ORF.at die rechnerischen Extremfälle, die es so in der Realität freilich selten gibt: "Angenommen, ein Mann würde sich ausschließlich den 'männlichen' Aufgaben widmen, dann hätte er laut Statistik 5,55 Mal Sex pro Monat. Jene, die alle 'weiblichen' Tätigkeiten ausführen, hingegen nur 3,66 mal".

Als Freibrief für Männer, die Küchenschürze an den Nagel zu hängen, wollen die Forscher ihre Ergebnisse nicht verstanden wissen - und deuten an, dass auch dies weniger Sex zur Folge haben könnte: "Die Weigerung, sich an der Hausarbeit zu beteiligen, provoziert Paarkonflikte und führt zur Unzufriedenheit der Frauen", sagt Kornrich. Frühere Studien hätten gezeigt, dass die Zufriedenheit von Frauen in der Ehe von der Beteiligung der Männer im Haushalt insgesamt abhänge - womit vom Wäscheaufhängen bis zum Autowaschen alles gemeint ist.

Studien

"Egalitarianism, Housework, and Sexual Frequency in Marriage", American Sociological Review (Februar 2013; doi: 10.1177/0003122412472340).

"Prognosis of acute coronary events is worse in patients living alone: the FINAMI myocardial infarction register", European Journal of Preventive Cardiology (1.2.2013; doi: 10.1177/2047487313475893).

"Wir vermuten, dass Männer und Frauen einander als männlicher bzw. weiblicher wahrnehmen, wenn sie sich den traditionellen Arbeiten widmen", sagt der spanische Soziologe. Das decke sich auch mit den Ergebnisse bisheriger Studien: "Besonders männliche bzw. weibliche Teenager haben etwa öfter und früher Sex als ihre Altersgenossen."

Mit Trauschein weniger Herzinfarkt

Über den gesundheitlichen Einfluss traditioneller Lebenskonzepte berichten auch finnische Forscher. Sie haben herausgefunden, dass verheiratete Männer und Frauen ein geringeres Infarktrisiko als Singles aufweisen. Dies gelte für alle Altersgruppen, so die Wissenschaftler der Universitätsklinik im finnischen Turku.

Wer allein lebt, hat nicht nur ein höheres Infarktrisiko, sondern stirbt der Studie zufolge auch schneller an den Folgen einer Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße. So starben 51 Prozent der unverheirateten Männer innerhalb von 28 Tagen nach einem Herzinfarkt.

Bei Geschiedenen lag dieser Wert der Studie zufolge immer noch bei 42 Prozent, bei Ehemännern dagegen bei nur 26 Prozent. Frauen sind durch die Ehe noch mehr geschützt als Männer. Laut Untersuchung starben 43 Prozent der unverheirateten Patientinnen innerhalb der 28-Tage-Frist, bei den Geschiedenen 32 Prozent. Für Ehefrauen verlief die Krankheit nur in 20 Prozent der Fälle tödlich.

Die finnischen Forscher schränken die Ergebnisse ihrer Studie gleichzeitig ein: "Wir können die Möglichkeit nicht ausschließen, dass Menschen mit schlechter Gesundheit mehr dazu neigen, allein zu bleiben oder geschieden zu werden", heißt es in der Untersuchung. Zudem könnten die geringeren Infarktrisiken für verheiratete Menschen von schützenden Ehe-Faktoren abhängen: Dazu zählten besserer Finanzstatus, gesündere Lebensumstände oder mehr soziale Unterstützung im Vergleich zu Unverheirateten. Außerdem enthalte die Studie keine Erkenntnisse zum Anteil zusammenlebender, unverheirateter Paare.

Die Forscher nutzten für ihre Studie die finnische Datenbank Finami mit 15.330 Infarktfällen von Menschen im Alter zwischen 35 und 99 Jahren. Die Fälle stammen aus der Zeit zwischen 1993 und 2002.

science.ORF.at/APA/AFP/dpa

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