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Zwei Gehirne im Scan gegenüber

Gehirntest aus der Hosentasche

Hirnforschung via Smartphone: Norwegische Forscher untersuchen die Gehirnfunktionen ihrer Probanden via App. Die Tests liefern ebenso gute Ergebnisse wie unter Laborbedingungen.

Psychologie 11.02.2013

Smartphones erobern die moderne Psychologie. Ein Standardtest, um festzustellen welche Gehirnhälfte bei der Verarbeitung von Sprache am aktivsten ist, kann bereits gemütlich von zu Hause aus erledigt werden. Norwegische Wissenschaftler haben eine App namens "iDichotic" entwickelt, die über Kopfhörer und Displayeingabe die gleichen Tests vornehmen kann, für die bisher noch ein Labor notwendig war.

So funktioniert's

Am linken sowie am rechten Ohr werden gleichzeitig zwei verschiedene Silben abgespielt. Die Silbe, die deutlicher verstanden wurde, muss anschließend am Touchscreen ausgewählt werden. Nach rund drei Minuten Beschallung mit "ga, ba, ta, pa" und dergleichen steht fest, welche Gehirnhälfte dominanter bei der Verarbeitung von Sprache ist. Bei den meisten Menschen besteht eine Bevorzugung des rechten Ohres, was darauf hindeutet, dass hauptsächlich die linke Gehirnhälfte aktiv ist. Eine Minderheit, oftmals Linkshänder, hört deutlicher mit dem linken Ohr und aktiviert damit die rechte Gehirnhälfte bei der Sprachverarbeitung.

Wissenschaft für unterwegs

Die App wurde 2011 kostenlos auf den Markt gebracht. Rund ein Jahr später hatten etwa 1.000 Leute das Programm auf ihrem Smartphone installiert. Die Hälfte davon übermittelte ihre Testergebnisse an die Forscher. Ein Vergleich mit Daten von Testpersonen aus kontrollierten Versuchen ergab, dass die von der App gesammelten Ergebnisse genauso verlässlich waren, wie die aus dem Labor. Diese Dezentralisierung könnte die Forschung auch auf anderen Gebieten revolutionieren.

"Die App ermöglicht es große Mengen an Daten einfach und kostensparend zu sammeln. Ich glaube, dass es bald viele solcher psychologischen Tests auf Smartphones geben wird", sagt Josef Bless, der Leiter der Studie.

An der amerikanischen Harvard University waren ebenfalls bereits Smartphones für eine Studie im Einsatz, bei der der Gemütszustand von Testpersonen im alltäglichen Leben abgefragt wurde. Der Titel einer aktuellen Untersuchung aus Japan könnte zukunftsweisend sein: "Smart Phone, Smart Science: How the Use of Smartphones Can Revolutionize Research in Cognitive Science".

science.ORF.at

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