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Ein Kunstwerk: Ausgeschnittene Menschenfiguren reichen sich rund um eine Weltkugel die Hand

Mehr als zehn Milliarden Menschen?

7,1 Milliarden Menschen leben derzeit auf der Erde. Die UNO geht davon aus, dass es bis Ende des Jahrhunderts zehn Milliarden sein werden. Danach soll das Wachstum zum Stillstand kommen. Eine neue Studie widerspricht der UNO-Prognose und glaubt, dass die Weltbevölkerung nach einer kurzen Stagnation weiter wachsen wird.

Demografie 04.03.2013

"Die Obergrenze der Vereinten Nationen ist alles andere als ein stabiles Gleichgewicht", erklärt Oskar Burger vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock in einer Aussendung.

Die Studie:

"The UN medium population projection is an unstable equilibrium" von John DeLong und Kollegen ist in der März-Ausgabe der Fachzeitschrift "Frontiers in Ecology and the Environment" erschienen.

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Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 4.3., 13:55 Uhr.

Die Modellrechnungen, die er mit Kollegen eben in einer Studie gemacht hat, gehen von der Beobachtung aus, dass das Bevölkerungswachstum stark vom Pro-Kopf-Energieverbrauch abhängt: Ist mehr Energie nutzbar, begünstigt dies die wirtschaftliche Entwicklung und drückt in der Folge die Geburtenraten. Sind sie rund um den Globus klein genug, hört die Weltbevölkerung auf zu wachsen.

Damit steht das Modell im Kontrast zu den Vorhersagen der UNO, die laut den Forschern nur den seit einigen Jahrzehnten sichtbaren Trend sinkender Geburtenziffern für kommende Zeiten fortschreiben, dafür aber keinen Mechanismus angeben.

Eine Frage der Energie?

"Bei zehn Milliarden Menschen ist tatsächlich ein Nullwachstum erreichbar", so Burger. "Die Bevölkerungsgröße bleibt aber nur auf diesem Niveau, wenn weiterhin ständig genügend Energie pro Kopf zur Verfügung steht." Das sei jedoch kaum zu erwarten.

"Seit 1960 ist die Bevölkerung stärker angewachsen als die weltweit nutzbare Energiemenge", sagt Burger. Im Mittel sei darum die pro Person bereitstehende Energie gesunken. Diese Entwicklung halte nach wie vor an.

"In den letzten 50 Jahren hat sich die Weltbevölkerung damit von einem stabilen Gleichgewicht sogar noch entfernt." Komme es tatsächlich zu einer Stagnation bei zehn Milliarden Menschen, ohne dass es genügend Energiezufuhr gebe, reichten schon kleinste Veränderungen bei den Ressourcen oder im Verhalten der Gesellschaften, um eine Abweichung auszulösen, die sich sofort verstärke.

Dynamische Prognosemodelle notwendig

"Unser Modell des Bevölkerungswachstums ist noch recht einfach", sagt Oskar Burger. Es soll weder die existierenden UNO-Projektionen ersetzen, noch selbst konkrete Voraussagen machen.

Aber es ist ein Ausgangspunkt, um mehr kausale Dynamik in Bevölkerungsmodelle einzubauen, indem in einem ersten Schritt die fundamentale Abhängigkeit von der Energie berücksichtigt wird. Nun müsse mehr darüber herausgefunden werden, wie die Energie im Detail auf die Bevölkerungsgröße wirke, so Burger.

Auch laut Wolfgang Lutz, dem Direktor des Wiener Instituts für Demografie der ÖAW, liefern traditionelle Prognosenen, die nur Alter und Geschlecht berücksichtigen, oft nur eine unzureichende Grundlage für die Berechnung der Bevölkerungsentwicklung.

Für eine Studie, die er im Oktober 2012 präsentierte, wurden unterschiedliche Einflussgrößen herangezogen, etwa die Entwicklung der Lebenserwartung und die Versorgung mit Bildung. Ohne Gegenmaßnahmen, so sein Schluss, könnten bis Ende des Jahrhunderts etwa zwölf Milliarden Menschen auf der Erde leben.

science.ORF.at

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