Standort: science.ORF.at / Meldung: "Riesensalamander saugt Beute blitzschnell ein"

Der Chinesische Riesensalamander holt sich seine Beute auf ganz spezielle Art: Er saugt sie mit "Highspeed" ein.

Riesensalamander saugt Beute blitzschnell ein

Fast zwei Meter lang und bis zu 60 Kilogramm schwer können Riesensalamander werden. Dass die größten lebenden Amphibien auch beim Fressen rekordverdächtig sind, zeigt eine neue Studie Wiener Zoologen. Zeitlupenaufnahmen beweisen, dass die Tiere Fische in der Größe einer Forelle in 0,05 Sekunden einsaugen können.

Zoologie 11.03.2013

Die Beschleunigungen, die bei diesem "Saugschnappen" auf die Beute des Riesensalamanders wirken, betragen das Vier- bis Sechsfache der normalen Erdanziehungskraft: "Diese Beschleunigungen werden beim Start von Raketenautos gemessen", vergleicht Studienautor Egon Heiss vom Department für Integrative Zoologie der Universität Wien

Die spezielle Fresstechnik gibt Hinweise darauf, wie sich bei frühen Landtieren die überlebensnotwendige Zunge herausbilden konnte.

Die Studie:

"Biomechanics and hydrodynamics of prey capture in the Chinese giant salamander reveal a high-performance jaw-powered suction feeding mechanism" von Egon Heiss und Kollegen ist am 6.3. im "Journal of the Royal Society Interface" erschienen.

Beobachtung und Simulation

Der Chinesische Riesensalamander zählt zu den ursprünglichsten noch lebenden Amphibien, da sich seine Anatomie seit über 160 Millionen Jahren kaum verändert hat, wie es seitens der Uni Wien heißt. Er lebt in den Flüssen Zentral- und Ostchinas und ernährt sich dort von Fischen und Krebsen.

Video (Egon Heiss): Ein Riesensalamander schnappt zu

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Mit speziellen High-Speed-Kameras, die 2.000 bis 6.000 Bilder pro Sekunde liefern, filmten Heiss und sein Team drei Riesensalamander bei der Jagd. "Außerdem haben wir mit Hilfe von Computertomografie und digitalen 3-D-Rekonstruktionstechniken die Kopfanatomie eines konservierten Exemplars analysiert."

Anhand der Ergebnisse haben die Forscher ein Computermodell erstellt und so ein konserviertes Exemplar "im Computer quasi zum Leben erweckt". Mit einer speziellen Software berechneten sie so die Wasserbewegungen um den Riesensalamander beim simulierten Saugschnappen.

Druckabfall saugt Beute ins Maul

Anders als andere hocheffiziente "Saugschnapper" wie etwa Fische nutzt der Salamander keine schnelle Volumenerweiterung des Kiemen- bzw. Rachenraumes, mit der ein blitzartiger Druckabfall im Mund-Rachenraum herbeigeführt wird.

"Riesensalamander reißen Ober-und Unterkiefer in hoher Geschwindigkeit auseinander. Das führt zu einem Druckabfall zwischen den 'Kieferplatten'. Die Beute strömt gemeinsam mit dem umgebenden Wasserkörper blitzartig ins geöffnete Maul", erklärt Heiss.

Ein konservierter Chinesischer Riesensalamander in den Armen des Zoologen Egon Heiss von der Universität Wien

Egon Heiss

Ein konservierter Chinesischer Riesensalamander in den Armen von Egon Heiss

"Der Mechanismus des Saugschnappens war ein wichtiger Schritt, bevor die Amphibien vor circa 360 Millionen Jahren das Land erobert haben, und machte den Weg frei für die Evolution unserer Zunge." Sie konnte sich nämlich nicht direkt aus dem Saugapparat von Fischen bilden, da die Übergangsformen entweder im Wasser ohne Saugschnappen oder an Land ohne Zunge verhungert wären.

Evolution der Zunge

Der im Rahmen eines Stipendiums aktuell an der Universität Antwerpen tätige Forscher hat nun einen alternativen biomechanischen Weg aufgezeigt. Die Beute durch kraftvolles Öffnen des Mauls einzusaugen, befreite nämlich die Kiemenbögen von ihrer Saugfunktion. "Dadurch konnten sie für andere Funktionen umgestaltet werden - der Weg für die Evolution der Zunge war frei", so Heiss.

science.ORF.at/APA

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