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Ein Stück einer Gaspipeline

USA: Fracking kann Flüsse und Seen belasten

Fracking, das Gewinnen von Erdgas aus tiefem Gestein, ist höchst umstritten - auch in Österreich. Erst im September 2012 gab die OMV ihre Pläne zur Gewinnung von Schiefergas im niederösterreichischen Weinviertel - vorerst - auf. Forscher berichten nun, dass in den USA Schadstoffe sogar ins Oberflächenwasser gelangt sind.

Umwelt 12.03.2013

Hydraulic Fracturing bzw. Fracking ist eine relativ neue Methode zur Gewinnung von Erdgas aus Gestein. Dabei wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, um dort Risse zu erzeugen, damit das Gas austreten kann. Dass dabei gesundheitsschädliche Stoffe in Flüsse und Seen geschwemmt werden, hat ein Wissenschaftlerteam um Sheila Olmstead von der Forscherorganisation "Resources for the Future" in Washington herausgefunden.

Die Studie:

"How shale gas development affects surface water quality in Pennsylvania" erscheint zwischen 11. und 15. März 2013 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (DOI:10.1073/pnas.1213871110).

Chlorid und Schwebstoffe

Die Wissenschaftler untersuchten das Wasser hinter Kläranlagen, in denen Abwässer solcher Bohranlagen gereinigt werden, und das Oberflächenwasser in der Nähe von Bohrplätzen. Flussabwärts sei die Chloridkonzentration im Wasser immer noch erhöht, nicht aber die von Schwebstoffen, schreiben sie.

Die Konzentration von Schwebstoffen steigt hingegen den Forschern zufolge insgesamt, wenn die Zahl der Bohrplätze in einem Wassergebiet zunimmt - 18 zusätzliche Bohrplätze steigern die Konzentration um fünf Prozent. Hierfür machen sie Niederschlagswasser verantwortlich, das vom Bohrplatz ins Oberflächenwasser fließt.

Umweltschäden

Sowohl Chlorid als auch die Schwebstoffe haben negative Folgen für die Umwelt, so die US-Wissenschaftler. Erhöhte Chloridkonzentrationen schädigten direkt das Wasserökosystem. Gleichzeitig sei die Befreiung des Wassers von den Salzen ein teurer und aufwendiger Prozess. Schwebstoffe belasten das Wasser zusätzlich.

Bisher wurden vor allem Auswirkungen des Frackings auf das Grundwasser befürchtet. Die Forscher warnen nun vor Folgen für das Oberflächenwasser und fordern weitere Untersuchungen.

Schwierige Vergleichbarkeit

Ob die US-Ergebnisse auf Europa übertrag sind, ist umstritten. Auf Deutschland "sei nur das wenigste übertragbar", erklärte Bernd Kirschbaum vom deutschen Umweltbundesamt im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur dpa. Hier müsse das gesamte Wasser am Bohrplatz, auch Niederschlag, aufgefangen und ordnungsgemäß entsorgt werden. Bei hochbelastetem Wasser sei sogar noch eine Vorbehandlung nötig, bevor es in die Kläranlage dürfe.

In Österreich fehlen die Erfahrungen dazu. Zwar gab es ein Fracking-Pilotprojekt im Weinviertel in Niederösterreich, die Arbeiten wurden aber im September 2012 offiziell wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt. Inoffiziell wurde ein Zusammenhang mit den heftigen Protesten und den Landtagswahlen am 3. März 2013 vermutet. Außerdem sollte das so benannte "Clean Fracking" angewandt werden, bei dem keine Chemikalien, sondern nur Wasser, Bauxit-Sand und Stärke eingesetzt werden sollte.

science.ORF.at/APA/dpa

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