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Biene im Anflug auf eine Blüte.

Wie Pestizide Bienen verwirren

Das weltweite Bienensterben hat zahlreiche Gründe. Neben zerstörten Lebensräumen und Parasitenbefall liegt es vor allem an Pestiziden. Bestimmte Schädlingsbekämpfer verwirren die Bienen derart, dass sie Schwierigkeiten mit der Orientierung bekommen. Biologen haben nun geklärt, was sich dabei in ihrem Gehirn abspielt.

Veterinärmedizin 28.03.2013

Gleich zwei Studien liefern Argumente dafür, die betroffenen Insektizide komplett zu verbieten.

Die Studien

Zwei Arten von Schädlingsbekämpfern

2006 begann in Nordamerika das große Bienensterben, das in der Folge die Bezeichnung "Colony Collapse Disorder" erhielt. Mehr als die Hälfte der Bienenvölker in den USA waren von dem mysteriösen Sterben betroffen, auch in Europa entwickelte sich die Situation zum Teil dramatisch. So vielfältig der Kreis der möglichen Verursacher war und ist - Befall mit der Varroamilbe, Klimawandel, Elektrosmog etc. -, so sicher ist, dass Pestizide eine wichtige Rolle dabei spielen.

Auf zwei Arten von Schädlingsbekämpfern trifft das besonders zu. Zum einen auf die Neonicotinoide, das sind nikotinartige Stoffe, die das zentrale Nervensystem von Insekten angreifen und zu Lähmungen und zum Tod führen. Sie werden dem Saatgut von Mais beigemengt (Maisbeize). Zum anderen betrifft es Phosphorsäureester: chemische Verbindungen, die bei Bienen gegen die Varroamilbe eingesetzt werden.

Orientierungsschwierigkeiten

Dass sich der Einsatz beider Stoffe negativ auf Bienen auswirkt, ist bereits in mehreren Studien bewiesen worden. Die beiden Biologinnen Sally Williamson und Geraldine Wright von der Newcastle University haben im "Journal of Experimental Biology" gezeigt, dass eine Kombination beider besonders schädlich für die Lern- und Erinnerungsfähigkeiten der Insekten ist.

Nach vier Tagen, in denen Bienen eine Mischung der beiden Wirkstoffe verabreicht worden war, machten 30 Prozent von ihnen bei Gedächtnis- und Lernaufgaben schwere Fehler. In der freien Wildbahn würde das dazu führen, dass sie sich nicht mehr richtig orientieren und damit auch nicht den Weg zur Futterstelle und zurück in den Stock finden können. In einer Studie gehen Mary Palmer von der University of Dundee und Kollegen einen Schritt weiter. Sie haben untersucht, was sich im Gehirn der Tiere abspielt, wenn sie den beiden Giftstoffen ausgesetzt sind.

Schlechtere Aktivierung von Gehirnzellen

Eine entscheidende Rolle spielen dabei bestimmte Nervenzellen im Pilzkörper, einer Stelle im Zentralhirn von Insekten, die für höhere kognitive Leistungen wie Gedächtnis und Lernen zuständig ist. Die Forscher untersuchten mit einer neuen Methode, wie handelsübliche Varianten der beiden Giftstoffe (Neonicotinoide: Imidacloprid bzw. Clothianidin; Phosphorsäureester: Coumaphos) auf die Kenyonzellen lebender Bienen wirken.

Ö1-Sendungshinweis

Dem Thema widmete sich auch ein Beitrag in "Wissen aktuell" am 28. 3.

Das Resultat: Beide Chemikalien führen dazu, dass sich diese Nervenzellen schlechter aktivieren und Reize schlechter übertragen. Ihre Wirkungen summieren sich und sind deshalb in Kombination besonders schädlich. Beide Stoffe führen zu "einer bedeutenden Verschlechterung aller kognitiver Fähigkeiten der betroffenen Gehirnregion - dazu gehören assoziatives Lernen, Erinnerung und räumliche Orientierung", schreiben die Wissenschaftler. Die Bienen haben Schwierigkeiten, sich Gerochenes zu merken, und das beeinträchtigt ihr Fress- und Flugverhalten.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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