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Zuprosten: zwei volle Biergläser.

Die Chemie des Katers

Kopfschmerzen, Übelkeit, Zittern und allgemeines Unwohlsein - wer kennt sie nicht, die qualvollen Nachwirkungen einer Nacht, in der zu viel Alkohol getrunken wurde. Wie man diese Erscheinungen am besten abwehrt, war Thema bei einer Chemikerkonferenz in New Orleans.

Chemie 10.04.2013

Auf der Leinwand wohnt dem Katerzustand offenbar Unterhaltungswert inne - nicht umsonst erscheint im Mai bereits der dritte Teil der Hollywood-Komödie "Hangover" - eine Trilogie über die Abgründe übermäßigen Alkoholkonsums. Am eigenen Leib verspürt ist der "Hangover" aber weit weniger witzig, wie wenn im Film drei Männer ohne Erinnerung an die letzte Nacht, in Gesellschaft eines Tigers in einem Hotelzimmer erwachen.

Die Veranstaltung:

Das "245th National Meeting of the American Chemical Society" findet noch bis 11. April unter dem Titel "Chemistry of Energy & Food" in New Orelans statt. Ein Themenfeld ist dabei "Chemistry of the Bar", im Rahmen dessen Alyson E. Mitchell von der California University, Davis, zum Thema "Chemistry of Hangovers" gesprochen hat.

Wie man den körperlichen Beschwerden eines Katers am besten entgegen wirkt, beschäftigt nicht nur die Leidtragenden, sondern auch die Wissenschaft: etwa die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 245. "National Meeting & Exposition of the American Chemical Society" in New Orleans.

So sei etwa die in New Orleans berühmte "Yak-a-mein Soup", die auf der Straße, aber auch in vielen Restaurants serviert wird, das perfekte Kateressen, sagte Alyson E. Mitchell (University of California, Davis) in ihrem Vortrag zum Thema "Chemistry of Hangovers". Schenkt man dem amerikanischen Mythos Glauben, so sollen in den 1950er Jahren in Korea stationierte US-Soldaten die Geheimwaffe gegen den "Hangover" in die USA importiert haben.

"Das ist ein gutes Beispiel von intuitiver Forschung - ein effektives Heilmittel, dessen Wirkung schon längst bekannt war, aber erst Jahre später wissenschaftlich bestätigt wurde", so Mitchell in einer Aussendung. Denn die Suppe - wenngleich das Rezept variiert - enthalte genau das, wonach sich ein Kater geplagter Körper sehne: eine salzige Brühe die auf Rindfleisch und Soya-Sauce basiert; Nudeln, die wichtige Kohlenhydrate liefern; Shrimps, Hühnerfleisch oder eben Rindfleisch spenden Proteine; und nicht zuletzt in der Suppe enthalten: ein hart gekochtes Ei.

Der Kater ist ein "Stoffwechselgewitter"

Warum aber schmecken und helfen bei einem Kater genau diese Zutaten? Dazu lohnt sich eine kurze Betrachtung dessen, was sich bei einem Kater im menschlichen Körper abspielt. Ein Kater kann als "Stoffwechselgewitter" beschrieben werden, erklärt Alyson Mitchell. Dieses "Gewitter" resultiere einerseits aus dem erhöhten Anteil von Ethanol im Blut und der damit einhergehenden Dehydration, die wiederum hauptverantwortlich für Kopfschmerzen ist.

Andererseits speise sich das "Gewitter" aus dem Vorhandensein von Acetaldehyd im Blut, jenem Zwischenprodukt, das beim Abbau von Ethanol im Körper erzeugt wird und das für viele der Kater-Symptome verantwortlich ist. Dieses Acetaldehyd schädigt außerdem die Leber in vielfältiger Weise: Es begünstigt etwa die Entstehung einer Leberzirrhose, außerdem führt Acetaldehyd zur vermehrten Bildung von Sauerstoffradikalen, welche die Membranen der Zellen schädigen.

Whisky ist schlimmer als Vodka

Aber: Alkohol ist nicht gleich Alkohol. So rufen unterschiedliche alkoholische Getränke verschiedene Kater-Symptome hervor, sagt Mitchell. Dabei würden Getränke die mehr sogenannte Kongenere - ein Nebenprodukt bei der Gewinnung von Ethanol - enthalten, für schlimmere körperliche Beschwerden sorgen.

Besonders in dunklen alkoholischen Getränken wie etwa Whiskey, Brandy, Tequila, Bourbon und rotem Wein ist der Kongeneranteil sehr hoch, zum Teil werden Kongenere dem Getränk absichtlich aus Geschmacksgründen beigefügt. In weißem Wein, Vodka oder Gin, ist ihr Anteil um ein vielfaches geringer - deshalb sei auch der Kater, den diese Getränke hervorrufen, weniger schlimm. Aber bei exzessivem Konsum dieser Getränke sollte man sich wohl dennoch nicht darauf verlassen, dass man unbeschadet davon kommt.

Was hilft, wenn es zu spät ist

Der einzige Weg, wie sich ein Kater zu 100 Prozent vermeiden lässt, ist ganz einfach: keinen Alkohol trinken. Weil das aber nicht immer funktioniert, hier noch die besten Katermittel, die Alyson Mitchell auf der Tagung in New Orleans empfohlen hat: Vor dem Alkoholkonsum sollten möglichst fetthaltige Speisen konsumiert werden, denn diese absorbieren den Alkohol besser, als etwa ein Salat. Wenn der Kater schon voll ausgeprägt ist, hilft Eier essen, denn sie enthalten Zystein, eine schwefelhaltige, als Baustein von Eiweißkörpern vorkommende Aminosäure, die den Abbau von Acetaldehyd fördert.

Trinken sollte man etwa "Sportgetränke", aber auch Suppe, denn beide enthalten Salze, die dabei helfen das verlorene Natrium, Kalium und andere Ionen wieder aufzufüllen, die zuvor durch die harntreibende Wirkung von Alkohol übermäßig ausgeschieden wurden.

Auf Kaffee sollte man auch bei der schlimmsten Müdigkeit verzichten - denn er verschlimmert die ohnehin schon vorhandene Dehydrierung durch den Alkohol. Weiters empfiehlt Mitchell die Einnahme von Vitamin B1 (enthalten etwa in Getreide, Sojaprodukten, Erdnüssen, Haferflocken, Hülsenfrüchten, Kartoffeln aber auch in Schweinefleisch oder Fisch) da dieses den Aufbau von Glutarat fördert - ein Stoff, der wiederum gegen das Kopfweh helfen soll.

Und noch ein Hinweis am Rande: Der Körper kann pro Stunde nur 15 Milliliter reinen Alkohol abbauen. Das heißt: nicht mehr als ein kleines Bier, nicht mehr als 150 Milliliter Wein und nicht mehr als 30 Milliliter "harten" Alkohol pro Stunde trinken.

Theresa Aigner, science.ORF.at

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