Standort: science.ORF.at / Meldung: "Trennungsangst hilft beim Pokerspielen"

Der deutsche Poker-Spieler Pius Heinz (l) sitzt  neben seinem Konkurrenten Ben Lamb in Las Vegas in einem Spielkasino am Pokertisch

Trennungsangst hilft beim Pokerspielen

Eine ungewöhnliche Beobachtung haben Psychologen bei Menschen gemacht, die stark unter Trennungsängsten leiden. Laut ihrer Studie können sie Lügen oder Täuschungen in den Gesichtern anderer Personen besonders gut erkennen - und das wiederum kann ihnen beim Pokerspielen helfen.

Psychologie 17.04.2013

"Trennungsängstliche" sind besonders sensibel gegenüber Hinweisen aus ihrer Umwelt - so erklären sich die Psychologen Tsachi Ein-Dor von der israelischen Privatuniversität IDC Herzliya und Adi Perry den Zusammenhang.

Die Studie:

"Full House of Fears: Evidence that People High in Attachment Anxiety are More Accurate in Detecting Deceit" von Tsachi Ein-Dor und Adi Perry ist vor Kurzem im "Journal of personality" erschienen.

Lügen auf Videos schneller erfasst

In einem ersten Studienschritt haben die Forscher über 200 Männer und Frauen Videos vorgespielt, auf denen sich Menschen unterhielten. In ihre Konversationen eingebaut waren subtile Hinweise auf Lügen.

Wie die Studienteilnehmer prinzipiell mit ihren Mitmenschen umgingen, wurde vorab mittels Fragen vom Typ "Haben Sie schon einmal Menschen verschreckt, weil Sie sich zu sehr an sie binden wollten?" ermittelt. Jene, die dabei deutliche Zeichen von Verlustängsten zeigten, waren beim Auffinden der Lügen in den Videos deutlich besser.

Die Forscher betonen, dass es dabei keinen Zusammenhang mit anderen Ängsten gegeben habe. "Es scheint so zu sein, dass Trennungsängste ein angeborenes psychobiologisches System über-aktivieren, das ursprünglich dem Überleben diente und das Täuschungen erkennen kann", sagen die Forscher.

Pokerspieler erfolgreicher

Um zu überprüfen, ob die beiden Eigenschaften tatsächlich zusammenhängen, untersuchten sie in einem zweiten Schritt eine einschlägige Berufsgruppe: Pokerspieler. Ob es ihnen gelingt, hinter das Pokerface ihres Gegenübers zu blicken, entscheidet über Sieg und Niederlage.

Ein-Dor und Perry überprüften erst die Trennungsängste von 35 halbprofessionellen Profispielern und ließen sie dann an einem lokalen Pokerturnier teilnehmen. Wie vorausgeahnt waren jene Spieler erfolgreicher, die eher von Verlustängsten geplagt sind. Es sei sehr wahrscheinlich, dass sie Bluffs und Täuschungsabsichten im Gesicht anderer besser durchschauen als ihre Konkurrenten.

Das passt laut den Forschern zu früheren Studien, die gezeigt haben, dass Trennungsängstliche auch andere körperliche Gefahren - etwa Rauch in einem Raum - schneller bemerken. Sie halten ihre Arbeit für einen Beitrag zu der Ansicht, dass auch Defizite - wie die Trennungsangst - ihre Vorzüge haben können.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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