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Rekonstruktion des 14-jährigen Mädchens, das von den ersten US-Siedlern verspeist wurde

Die ersten US-Siedler waren Kannibalen

Im Winter 1609/1610 waren die ersten dauerhaften englischen Siedler in Amerika von einer großen Hungersnot betroffen. 80 Prozent der Kolonisten in Jamestown starben. Laut einer neuen Studie wurden sie aus dieser Not heraus zu Kannibalen und verspeisten offenbar ein 14 Jahre altes Mädchen.

Geschichte 02.05.2013

Bild: Gesichtsrekonstruktion des 14-jährigen Mädchens

Das berichtete das Smithsonian Institute am Mittwoch nach der kriminaltechnischen Untersuchung ihrer Knochen, die an der Siedlung in Virginia gefunden wurden. Axt- und Werkzeugspuren an ihrem im vergangenen Jahr gefundenen Schädel und ihrem Schienbein ließen keinen anderen Schluss zu.

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Schnitte auf dem Hinterkopf des Schädels der 14-Jährigen

Don Hurlbert, Smithsonian

Schnittspuren im Schädel der 14-Jährigen

Die genaue Todesursache des Jane genannten Mädchens habe nicht mehr festgestellt werden können, weil nur ein Zehntel ihrer Knochen gefunden wurde, heißt es in dem Bericht. Mord komme jedoch nicht infrage. Vielleicht sei das Mädchen eines natürlichen Todes gestorben.

Harte Überlebensbedingungen

Jamestown war 1607 von 104 englischen Siedlern gegründet worden - 13 Jahre bevor die Pilgerväter im heutigen Massachusetts landeten. Doch nur 38 der frühen Kolonisten in Virginia überlebten die ersten neun Monate in der neuen Welt. Die übrigen starben an Krankheiten und vergifteten sich möglicherweise auch durch ihr Trinkwasser. Vor allem aber hungerten sie, weil sie mitten in einer der schwersten Dürren seit Jahrhunderten ankamen. Ohne Hilfe der amerikanischen Ureinwohner wäre die Kolonie wohl sofort untergegangen.

Der harte Winter 1609/1610 raffte dann noch einmal fast alle übrigen Kolonisten dahin. Die Siedler hatten kaum Vorräte durch die Dürre, dazu kamen Feindseligkeiten mit den Indianern. Einer der Anführer der Kolonie, George Percy, überlebte. Neue Siedler aus England kamen an und füllten die Lücken.

"Jedes verfügbare Fleisch wurde gebraucht"

16 Jahre später erinnerte sich Percy, dass die verzweifelten Menschen im Hungerwinter 1609/1610 erst die Pferde, dann Hunde, Ratten und Mäuse und letztlich selbst ihre Stiefel gegessen hätten. Ob es auch Kannibalismus gab, wird seit Jahrzehnten unter Wissenschaftlern diskutiert. Nach Ansicht des Smithsonian Institute ist die Frage durch die Untersuchung der Funde nun eindeutig beantwortet.

Unterkiefer der 14-Jährigen, in der Mitte unten sieht man die ungewöhnliche Spuren von Schnitten

Don Hurlbert, Smithsonian

Unterkiefer der 14-Jährigen, in der Mitte unten sieht man Spuren von Schnitten, die die Forscher als Hinweise auf Kannibalismus interpretieren

"Die freigelegten Knochen haben ungewöhnliche Spuren von Schnitten und Hieben, die Versuche, Unsicherheit und den völligen Mangel an Erfahrung beim Schlachten von Tieren zeigen", sagte der Anthropologe Douglas Owsley. "Der klare Vorsatz war aber, den Körper zu zerlegen, das Gehirn zu entnehmen und das Fleisch vom Gesicht zu entfernen und zu essen." Die Menschen seien verzweifelt gewesen. "Jedes verfügbare Fleisch wurde gebraucht."

"Es gab vier Schläge auf den Hinterkopf, der stärkste von ihnen spaltete den Schädel", ergänzte Owsley. Dann sei vermutlich mit einem Messer ein Loch gebohrt worden, um das Hirn zu entnehmen. Anscheinend wurden Gehirn, Zunge, Wangen und Beinmuskeln gegessen. "Das Gehirn vermutlich als Erstes, weil es sich so schnell nach dem Tode zersetzt." Es gebe aber keinen Hinweis auf Mord: "Ich glaube nicht, dass sie das Mädchen getötet haben", sagte der Wissenschaftler. "Sie waren einfach so verzweifelt, so in Not, dass sie keine Alternative sahen."

science.ORF.at/dpa

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