Standort: science.ORF.at / Meldung: "Kakadus knacken Schlösser"

Zwei Goffini-Kakadus berühren einander mit ihren Schnäbeln

Kakadus knacken Schlösser

Indonesische Goffini-Kakadus sind kluge Tiere: Sie stellen selbst Werkzeuge her und verzichten zugunsten ihrer Lieblingsspeise auf Nahrung, die sie bereits im Schnabel halten. Eine Studie von Wiener Verhaltensforschern zeigt: Die Vögel können auch Schlösser knacken.

Verhalten 04.07.2013

Um an eine Nuss in einer verschlossenen Box zu gelangen, mussten die Kakadus ein mechanisches Problem in fünf Lösungsschritten meistern - einer der Kakadus schaffte das in weniger als zwei Stunden.

In fünf Schritten zur Lösung

Vor einem "sequenziellen Problem" steht man, wenn die Lösung einer Aufgabe lediglich den Zugang zu einem anderen Problem ermöglicht, dessen Lösung wiederum zu weiteren Aufgaben führt, die erst sukzessive zu einem Ziel führen. Solche Aufgaben gelten als kognitiv höchst anspruchsvoll, da sie die Fähigkeit erfordern, sich im Geist räumlich und zeitlich vom begehrten Zielobjekt zu entfernen.

In der Studie wurden untrainierte Kakadus mit einer Box konfrontiert, in der eine Nuss hinter einem durchsichtigen Fenster lag. Fünf verschiedene Verschlussmechanismen verwehrten den Vögeln den direkten Zugang. Zusätzlich blockiert in dem Versuchsaufbau jedes einzelne Schloss das nächste in der Serie.

Kakadu im Labor

Alice Auersperg

Kakadu "Muppet" löst ein Bolzen-Schloss

Jede Lösung erfordert außerdem unterschiedliche motorische Handlungen. Um an das Objekt der Begierde zu kommen, muss der Kakadu zuerst einen Stift herausziehen, dann eine Schraube aufdrehen, einen Bolzen entfernen, ein Rad 90 Grad ausrichten und schlussendlich einen Riegel wegschieben.

Ähnlich wendig wie Schimpansen

Das Kakadu-Männchen "Pipin" löste dieses Problem beispielsweise in weniger als zwei Stunden ohne zusätzliche Hilfe. Fünf weitere Vögel beherrschten das Öffnen, nachdem sie entweder einem anderen Kakadu beim Öffnen zugesehen oder zunächst jedes Schloss einzeln nacheinander gelöst hatten, heißt es in einer Aussendung der Forscher.

"Außer im Fall von Werkzeugsets bei Schimpansen gab es bisher keine Berichte von Tieren, die so wie Pipin ohne Vorerfahrung ein fünfteiliges Problem lösen können, bei dem jeder Schritt unterschiedliche Handlungen erfordert", sagt die Leiterin des "Goffin Lab" am Department für Kognitionsbiologie der Uni Wien, Alice Auersperg.

"Verständnis nicht beweisbar"

Im nächsten Schritt interessierte die Wissenschaftler, ob die Tiere bei der Problemlösung einfach eine unflexible Reihe von gelerntem Verhalten durchlaufen oder, ob sie den Effekt, den die Schlösser auf die Erreichbarkeit des Futters hatten, tatsächlich verstehen.

"Wir haben die sechs erfolgreichen Vögel vor sogenannte 'Transfer Tests' gestellt, in denen Teile der Sequenz unfunktionell gemacht wurden. Zum Beispiel haben wir einzelne Schlösser innerhalb der Struktur entfernt, um zu sehen, ob die Vögel den jetzt ineffektiv gewordenen Teil oberhalb der Lücke auslassen würden. Die Kakadus reagierten spontan sowohl flexibel als auch sensibel auf Änderungen in der Sequenz und Funktion der Schlösser. Sie ließen die meisten irrelevanten Teile aus, sogar wenn die gesamte Konstellation der Schlösser durchgemischt wurde", erklärt Auersperg.

So könne zwar nicht beweisen werden, dass die Vögel die Problemstruktur auf einer ähnlichen Ebene verstehen, wie das erwachsene Menschen tun würden, die Fähigkeit "ihr Lernen auf ein entferntes Ziel zu organisieren" scheinen sie aber zu haben, so der Co-Autor der Studie, Alex Kacelnik von der Universität Oxford.

science.ORF.at/APA

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