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Fuchshai unter Wasser

Vor dem Essen gibt es Dresche

Fuchshaie, auch "Drescherhaie" genannt, haben eine besondere Strategie entwickelt, um an ihre Lieblingsspeise zu gelangen. Sie schlagen Sardinen mit der Schwanzflosse k.o. - danach fressen sie ihre bewusstlose Beute.

Haie 11.07.2013

Wo Fischschwärme sind, da sind die Räuber nicht weit. Killerwale suchen regelmäßig norwegische Fjorde auf, um Heringe zu jagen. Aus dem gleichen Grund ziehen Delphine durch die Gewässer der Azoren. Auch der Fuchshai, Alopias pelagicus, folgt der Sardine auf ihren saisonalen Wanderungen. "Tresher Shark" heißt der Knorpelfisch im Englischen. Was auf Deutsch so viel heißt wie: "Drescherhai".

Die wörtliche Übersetzung ist tatsächlich als Name in Gebrauch - mit gutem Grund: Die Fuchshaie setzen ihre Anatomie nämlich für eine ebenso wirkungsvolle wie unkonventionelle Jagdtechnik ein. Dreieinhalb Meter wird Alopias pelagicus lang, etwa die Hälfte davon geht auf das Konto der eigentümlich verlängerten, sensenförmigen Schwanzflosse.

Die Studie

"Thresher Sharks Use Tail-Slaps as a Hunting Strategy", Plos One (10.7.2013; doi: 10.1371/journal.pone.0067380).

Ausholen, zuschlagen, fressen

Wie Forscher um den Simon Oliver von der University of Liverpool berichten, verwenden die Fuchshaie ihre Schwanzflosse regelmäßig als Jagdwaffe. Sind sie in Reichweite eines Sardinenschwarmes, drehen sie sich von ihrer Beute ab, holen mit ihrer Flosse aus und ziehen dann - nicht unähnlich einem Tennisspieler beim Service - mit voller Kraft durch.

Fuchshai jagt Sardinen

(c) Video: Klemens Gann / Thresher Shark Research and Conservation Project

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Ö1-Sendungshinweis

Über dieses Thema berichtet auch "Wissen aktuell", 11.7.2013, 13:55 Uhr.

Der erzeugte Druck ist so hoch, dass dabei gelöstes Gas aus dem Wasser entweicht, Luftblasen bildet und nach oben steigt. Insofern wenig überraschend, dass der Hai seine Beute mit der Flosse in die Bewusstlosigkeit zu befördern vermag. Pro Watschenmanöver erlegt und vertilgt der Raubfisch im Schnitt 3,5 Sardinen, schreiben Oliver und Co im Fachblatt "Plos One".

Der Fuchshai ist nicht der einzige, der sich dieses Manövers bedient. Auch Delfine setzen ihre Flosse als Schlaginstrument ein, ebenso die Schwertwale, die vermittels ihrer Körpermasse einen noch deutlich größeren Punch entwickeln. Laut einer Studie aus dem Jahr 1999 knocken sie mit einem Hieb mehr als 30 Fische aus. Das dürfte der Rekord in der Liga der Meeresräuber sein.

Die Schwanzflosse eignet sich im Übrigen auch zur Kommunikation. Buckel- und Pottwale schlagen damit regelmäßig auf die Wasseroberfläche, um mit weit entfernten Artgenossen Kontakt aufzunehmen. Was sie ihren Kollegen übermitteln wollen, ist leider unbekannt. Vermutlich schlagende Argumente.

Robert Czepel, science.ORF.at

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