Standort: science.ORF.at / Meldung: "Laser lässt Blut gerinnen"

Ein Bluttropfen auf einem Finger

Laser lässt Blut gerinnen

Forschern ist es gelungen, mittels Laser die Blutgerinnung ein- und auszuschalten. Als Schalter dient ein Paar Nanostäbchen aus Gold, die je nach Wellenlänge Moleküle ausschütten, die entweder das Blut zum Stocken bringen oder "verdünnen".

Nanotechnologie 25.07.2013

Lebensretter Gerinnung

Die Studie in "PLOS ONE":

"Selective Light-Triggered Release of DNA from Gold Nanorods Switches Blood Clotting On and Off" von Helena de Puig et al., erschienen am 24. Juli 2013.

Ohne Blutgerinnung könnten wir schon bei kleinsten Verletzungen verbluten. Sie bringt das Blut zum Stocken, verhindert so einen übermäßigen Blutverlust und lässt Wunden wieder heilen. Sie sollte allerdings auch nicht zu gut funktionieren, damit sich keine Gerinnsel bilden.

Beim gesunden Menschen befindet sich das System im Gleichgewicht. Störungen führen entweder zu einer erhöhten Blutungsneigung oder erhöhen auf der anderen Seite die Gefahr von Thrombosen oder Embolien.

Bei der Hämophilie bzw. Bluterkrankheit, einer erblichen Erkrankung, müssen Menschen meist ein Leben lang Medikamente nehmen, welche die schwache Gerinnung unterstützen. Bei einer erhöhten Gerinnungsneigung müssen hingegen sogenannte "Blutverdünner" verabreicht werden. Beide Medikamentengruppen wirken in der Regel, solange sie im Organismus sind.

Unerwünschte Folgen

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen Aktuell am 25. 7. um 13:55.

Zudem ist der pharmakologische Eingriff ins Gerinnungssystem nicht so spezifisch wie der natürliche Vorgang, bei dem das Blut immer genau dann und dort gerinnt, wann und wo es notwendig ist. Medikamente wirken im ganzen Körper und über einen längeren Zeitraum.

In manchen Situationen, z.B. in der Chirurgie, wäre es jedoch wünschenswert, die Gerinnung gezielt unter Kontrolle zu halten und punktgenau einzugreifen. Bei Operationen wird heute meist mit Gerinnungshemmern gearbeitet. Laut den Forschern um Kimberley Hamad-Schifferli vom Massachusetts Institute of Technology kann dies aber fatale Folgen haben, denn dadurch wird die Gerinnung als Ganzes stark eingeschränkt und solang das Mittel im Blutkreislauf ist, kann die Wirkung nicht rückgängig gemacht werden. Zudem haben manche der gängigen Medikamente starke Nebenwirkungen. Todesfälle durch unerwünschte Folgeerscheinungen seien sehr häufig.

Lebensrettende Nanopartikel

Deswegen arbeitet das Team nun an einer Möglichkeit, die Gerinnung - je nach Bedarf - ein-, aber auch wieder auszuschalten. Möglich machen soll das die Nanotechnologie. Die Forscher haben dafür zwei winzig kleine, durch Licht gesteuerte Nanopartikel aus Gold entwickelt.

Diese Nanostäbchen reagieren auf unterschiedliche Wellenlängen des darauf gerichteten Laserlichts. Entweder schüttet Partikel eins ein Molekül aus, das die Gerinnung hemmt, oder Partikel zwei initiiert die gegenteilige Wirkung, jeder Eingriff lässt sich also postwendend wieder rückgängig machen. Die Tests in menschlichem Blutserum verliefen erfolgreich. In der Praxis könnte der molekulare Schalter einige Leben retten.

Eva Obermüller, science.ORF.at

Mehr zum Thema: