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Delfinkopf im Wasser

Delfine erkennen Gefährten nach Jahrzehnten

Wenn es um die Erinnerung an Artgenossen geht, stehen Delfine den Menschen kaum nach: Die Meeressäuger erkennen laut einer neuen Studie nach über 20 Jahren ehemalige Gefährten wieder - und zwar an ihrem individuellen "Namenspfiff".

Verhalten 07.08.2013

Der US-Forscher Jason Bruck untersuchte insgesamt 43 Große Tümmler (Tursiops truncatus) untersuchte Tiere, die in verschiedenen Zoos und Delfinarien lebten. Jeweils einige der Tiere hatten in der Vergangenheit über Monate oder Jahre in derselben Einrichtung gelebt, bevor sie in ein neues Zuhause umgesiedelt wurden. Bruck, der an der Universität von Chicago (US-Bundesstaat Illinois) forscht, spielte den Delfinen fremde und bekannte Signaturpfiffe vor und beobachtete, wie die Tiere reagierten.

Die Studie:

"Decades Long Social Memory in Bottlenose Dolphins" von Jason Bruck ist am 7. August 2013 in den "Proceedings B" der britischen Royal Society erschienen (sobald online).

Signaturpfiffe sind so etwas wie die Namen von Delfinen. Jedes Tier lernt in jungen Jahren seinen eigenen Pfiff, mit dem er sich dann auch anderen Tieren vorstellt.

Wie aber erkannte der Forscher nun, ob ein Delfin den vorgespielten Signaturpfiff schon gehört hatte? Er spielte den Tieren zunächst zahlreiche unbekannte Pfiffe vor, und zwar so lange, bis die Delfine offensichtlich begannen, sich zu langweilen und die Laute zu ignorieren. Genau dann spielte er den Pfiff eines ehemaligen Gefährten vor - und tatsächlich horchten die Delfine sichtbar auf: Sie schwammen auf den Lautsprecher zu, umkreisten ihn und pfiffen ihn an - ganz so, als wollten sie ihm weitere Pfiffe entlocken.

Geistig mit Schimpansen vergleichbar

Bruck stellte fest, dass weder die Länge der gemeinsam verbrachten Zeit noch die Dauer der Trennung die Wiedererkennung beeinträchtigte. So erkannte ein weiblicher Delfin namens Allie das Weibchen Bailey, mit dem es als Jungtier zusammengelebt hatte, obwohl einander beide mehr als 20 Jahre nicht gesehen hatten. Geschlecht und Verwandtschaftsgrad hatten keinen Einfluss auf das Gedächtnis, berichtete Bruck weiter.

Das Gedächtnis der Delfine in diesem Bereich sei damit ähnlich gut wie das des Menschen und deutlich besser als das vieler anderer Tiere. Elefanten hätten vermutlich ähnliche Fähigkeiten, wissenschaftlich belegt sei das allerdings nicht. Ob und wenn ja wozu die Delfine ihr gutes Gedächtnis brauchen, sei nicht eindeutig klar. Delfine formten in freier Wildbahn immer wieder neue Gruppen und Koalitionen, und die Erinnerung an einzelne Tiere und ihr Verhalten sei dabei vermutlich von Vorteil.

Die Ergebnisse der Studie deuteten darauf hin, dass die Großen Tümmler über recht weit entwickelte geistige Fähigkeiten verfügten, vergleichbar etwa mit Menschen und Schimpansen.

science.ORF.at/dpa

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