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Nachthimmel mit Wolke vor Vollmond

Lichtsmog viel heller als Vollmond

Bei Vollmond schlafen Menschen schlechter, wie vor kurzem eine Studie bestätigt hat. Eine neue Untersuchung zeigt allerdings auch: Als nächtliche Lichtquelle wird der Mond vom städtischen Lichtsmog längst übertroffen.

Messung 08.08.2013

Über ein Jahr lang haben Forscher auf der Wiener Universitätssternwarte sowie auf dem Mitterschöpfl, dem höchsten Berg des Wienerwaldes, die nächtliche Himmelshelligkeit gemessen. Dabei konzentrierten sie sich bewusst auf die globale Lichtglocke, punktuell störende, besonders helle Lichtquellen in der Stadt wurden nicht erfasst.

1.500-mal heller als der Nachthimmel

Die Studie

"Night sky photometry and spectroscopy performed at the Vienna University Observatory" erscheint im "Journal for Quantitative Spectroscopy and Radiative Transfer" (Preprint hier).

Der Vergleich mit dem Nachthimmel bei Neumond zeigt: Der Lichtsmog über Wien übertrifft die natürliche Nachthimmelshelligkeit um das bis zu 1.500-Fache. Bei Vollmond ist das Verhältnis nicht ganz so enorm, dennoch dominiert auch hier das künstliche Licht. "Bei Neumond erreicht der Nachthimmel ca. ein Millilux, bei Vollmond sind es 300. Die Lichtglocke über der Stadt erreicht hingegen bis zu 1.500 Millilux", erklärt Thomas Posch vom Institut für Astrophysik der Uni Wien gegenüber science.ORF.at. Bei dichter Bewölkung und bei Schneefall werde die städtische Lichtglocke gegenüber klarem Himmel noch mindestens um den Faktor zehn verstärkt.

"Was in Wien die nächtliche Himmelshelligkeit dominiert, ist heutzutage nicht mehr primär die Mondphase, sondern vielmehr der Bewölkungsgrad", sagt Johannes Puschnig, der Erstautor der Studie. Angesichts dessen ist es durchaus erstaunlich, dass kürzlich Schweizer Forscher einen Zusammenhang zwischen Mondphase und Schlafqualität nachweisen konnten. Ihnen zufolge schlafen Menschen bei Vollmond tatsächlich schlechter und kürzer.

Puschnig und seine Kollegen haben in ihrer Studie den Nachthimmel auch spektroskopisch untersucht, um die Hauptquellen des Lichtsmogs zu finden. Resultat: Natriumdampflampen und Leuchtstoffröhren haben den größten Anteil - die Straßenbeleuchtung ist erwartungsgemäß der größte Lichtverschmutzer.

science.ORF.at/APA

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