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Eine Frau hält eine Mappe mit der Flagge der Europäischen Union auf dem Umschlag

Open Access wird zur Pflicht

Die Europäische Union wird zum Vorreiter in Sachen Open Access. Das neue, ab 2014 geltende Förderprogramm "Horizon 2020" schreibt vor, dass alle veröffentlichten Forschungsresultate im Internet frei zugänglich sein müssen. Was die Strategie dahinter ist, verrät Daniel Spichtinger von der EU-Kommission.

Publikationen 16.08.2013

science.ORF.at: Welche Rolle wird Open Access bei "Horizon 2020" spielen?

Daniel Spichtinger: Wir hatten ja schon beim Vorgänger, dem 7. Rahmenprogramm, einen Piloten dazu. Nun soll Open Access zu wissenschaftlichen Publikationen zum Grundprinzip werden. D.h. jedes Projekt, das von uns gefördert wird, wird frei publizieren müssen. Wobei es den Forschern überlassen ist, welche Art von Open Access sie wählen. Es gibt ja zwei grundlegend verschiedene Arten: den "Goldenen Weg", wo die Publikation sofort in Open Access zur Verfügung steht und die Kosten nicht vom Benutzer übernommen werden, sondern von Förderern; und der "Grüne Weg", bei dem man die Publikation in einem Repositorium - einer Online-Datenbank - hinterlegt. Nach Ablauf einer bestimmten Sperrfrist, während der die Studie nur gegen Bezahlung erhältlich, wird sie frei zugänglich. Wir machen keinerlei Vorschriften, welcher der beiden Wege gewählt wird, das bleibt den Autoren überlassen.

Daniel Spichtinger ist Policy Officer für Open Access in der EU-Kommission in Brüssel.

Ö1 Sendungshinweis:

Dimensionen: "Offene Wissenschaft für alle. Open Access in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften" am 19. August 2013, 19.05 Uhr.

Links:

Heißt das, dass alle EU-geförderten Forschungsprojekte publizieren müssen? Das würde viele Industriepartner nicht gerade freuen …

Nein das heißt es nicht, das ist ein grundlegendes Missverständnis. Open Access bedeutet nicht, dass ich publizieren muss. Es bleibt wie bisher den Forschern oder einem Forschungskonsortium überlassen zu entscheiden, ob sie eine Publikation machen oder nicht. Niemand wird dazu gezwungen. Wer seine Ergebnisse schützen will, kann das weiter tun, das ist für die Industrie sehr relevant. Wenn aber publiziert wird, dann Open Access.

Werden die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften in Horizon 2020 besonders berücksichtigt werden, was die Art ihrer Publikationen betrifft?

Die allgemeine Open-Access-Voraussetzung wird auch für sie gelten, wobei uns bewusst ist, dass in den Naturwissenschaften eher in Artikelform veröffentlicht wird und die Geistes- und Sozialwissenschaften andere Formen bevorzugen - in erster Linie Bücher.

Sollen in Zukunft auch geförderte Monographien Open Access veröffentlicht werden?

Das diskutieren wir derzeit noch intern. Ich denke generell, dass man vorsichtig sein muss, ob und wie man das Modell von Open-Access-Artikeln auf die Buchwelt umlegt. Dazu gibt es auch in der wissenschaftlichen Gemeinschaft sehr unterschiedliche Auffassungen.

Horizon 2020 startet Anfang des nächsten Jahres, sehr viel Zeit ist da nicht mehr, um die Frage zu beantworten …

Das stimmt, wir sind ein wenig in Zeitdruck, aber wir werden das im Herbst sowohl intern als auch mit unseren externen Stakeholdern weiter diskutieren, um einen Konsens zu finden. In den offiziellen Dokumenten ist derzeit von "Publikationen" die Rede, die Open Access erscheinen sollen. Was alles darunter fällt, wollen wir in dazugehörigen Guidelines erläutern, die wir im Herbst schreiben.

Gibt es Überlegungen, wo diese Bücher online abgelegt werden müssten?

Da machen wir als EU-Kommission prinzipiell keine Vorschriften. In manchen Fächern gibt es thematische Repositorien, es gibt bekannte nationale Repositorien wie beim FWF in Österreich - es bleibt deshalb den Forschern überlassen, wo sie ihre Arbeiten hinterlegen. Eine Möglichkeit dazu bietet auch das von der EU geförderte Projekt "OpenAIRE", das u.a. auch ein Repositorium ist.

Warum forciert die EU-Kommission prinzipiell Open Access?

Das ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Mechanismus, um den Einfluss von mit Steuergeldern geförderter Forschung zu erhöhen. Open Access ist gut für die Forschung, weil es damit einfacher ist Publikationen zu finden. Das betrifft sowohl wissenschaftliche Institutionen, deren Budgets für Publikationen vielleicht nicht so groß sind, dass sie sich die teuren Abos von Wissenschaftszeitschriften leisten können. Es betrifft aber auch die Wirtschaft und hier v.a. die Klein- und Mittelunternehmen, die von den hohen Kosten auch überfordert sind. Wenn Publikationen im Internet frei verfügbar sind, ist die Barriere sie zu nutzen viel niedriger. Transparenz und Offenheit kommen nicht zuletzt NGOs zugute, die auch auf wissenschaftliche Ergebnisse angewiesen sind - etwa im Umweltbereich.

Die EU-Kommission hat vor zwei Jahren in einer Umfrage die Akzeptanz von Open Access bei den Betroffenen ermittelt. Was ist dabei herausgekommen?

Im Großen und Ganzen ist die Akzeptanz sehr hoch. Wir haben gefragt: Sollen Publikationen, die mit öffentlichen Geldern bezahlt wurden, auch öffentlich zugänglich sein? 90 Prozent aller Befragten haben mit Ja geantwortet. Wobei es aber deutliche Unterschiede gab: Bei den nationalen und regionalen Regierungen sowie bei den nationalen Förderern waren 100 Prozent dafür, bei den Büchereien, Bürgern, Universitäten und Forschern waren es mehr als 90 Prozent. Auf der anderen Seite fanden 67 Prozent der befragten Verlage die Idee nicht so gut. Das war aber 2011. Mittlerweile akzeptieren aber auch die Verlage Open Access viel stärker, gerade was den Goldenen Weg betrifft.

Weil sie es inzwischen als Geschäftsmodell erkannt haben?

So ist es. Neue Open-Access-Verlage sind entstanden, alte nehmen es immer stärker an. Beim Grünen Weg ist ihr Hauptkritikpunkt bis heute die Dauer der Sperrfrist. Die Verlage wollen, dass sie möglichst lange ist. Die EU-Kommission empfiehlt wie bisher sechs Monate für Naturwissenschaften und zwölf Monate für Geistes- und Sozialwissenschaften. Wir werden aber sehen, wie das jetzt bei der Ausweitung von Open Access angenommen wird, und behalten uns vor, das zu ändern, wenn es damit Probleme gibt.

Open Access betrifft nicht nur Publikationen, sondern auch die Forschungsdaten, die dahinter stehen. Stichwort "Open Data" - was hat die EU hier vor?

Damit beschäftigen wir uns unter dem Titel "Open Access to Research Data" (Offener Zugang zu Forschungsdaten). Uns ist bewusst, dass wir das nicht auf dem gleichen Niveau machen können wie bei den Publikationen, weil freier Zugang zu Daten noch nicht die Akzeptanz hat: Deshalb starten wir in "Horizont 2020" mit einem Pilotversuch: "Open Access to Data" wird innerhalb dieses Pilotversuchs festgeschrieben werden, es wird aber "Opt-Outs" geben, also Ausnahmeregelungen. Daten etwa, die wirtschaftliche Interessen der Industrie beeinträchtigen oder die Privatsphäre verletzen - etwa sensible Daten aus der Medizin -, müssen nicht publiziert werden. Das gilt auch bei Sicherheitsbedenken.

Ist bereits klar, in welchen Bereichen der Pilotversuch gemacht wird?

Nein. Wir haben gerade ein allgemeines öffentliches Hearing zu offenen Forschungsdaten gemacht. Die Ergebnisse dieses Hearings, die wir gerade auswerten, werden uns in der weiteren internen und externen Diskussion sicher weiter helfen.

Interview: Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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Forum

 
  • und zahlen sie die kosten von

    xx13, vor 1074 Tagen, 50 Minuten

    € 1500 - 5000 pro publikation...

    d.h. zusätzlich zu den fördergeldern...

    wobei man bei planung eines projektes nicht wirklich weiß wieviele publikationen daraus mal werden, aber bei großen EU-projekten über die zeit locker mal über 20. also bis zu 100,000 mehr...

    • Schwachsinn!

      regow, vor 1073 Tagen, 22 Stunden, 49 Minuten

      Wo steht das?

    • @regow, danke für deine konstruktive kritik...

      xx13, vor 1072 Tagen, 21 Stunden, 56 Minuten

      aber lass uns großen unsere arbeit machen und geh du mit deinesgleichen spielen...

      für die die das thema wirklich interessiert:

      z.zt. hat man die wahl:
      1) journals die nicht open access sind publizieren die arbeiten gratis für die autoren (teilweise, zumindest für farbgraphiken muss man zahlen), dafür müssen die bibliotheken (teilweise rel. viel) für das abonnement zahlen. das copyright für diese artikel haben die journals, daher darf diese niemand öffentlich zugänglich zum runterladen anbieten (einzelne verschickte sogenannte reprints nach anfrage sind möglich).
      2) open access journals die eben zw. 1500 und 4000-5000 pro artikel kosten. dann sind diese frei für alle zugänglich.
      z.b. http://www.plos.org/publish/pricing-policy/publication-fees/
      3) pre-print server etc. sind keine echten (peer-reviewten) publikationen, helfen dir daher weder bei den evaluationen (z.b. für interne geldverteilungen) noch bei geldakquise, daher auch nicht für die karriere...

    • funkelfels, vor 1072 Tagen, 8 Stunden, 40 Minuten

      Zum einen würde ich schon davon ausgehen, dass die Kosten für Golden-Way-Publikationen selbstverständlich ein neuer Planpunkt auf die Projektanträge sind. Das man nicht genau sagen kann, wieviele es werden, ist nichts neues. Im Projektantrag kann man bei vielem nicht genau sagen, wie es genau sein wird, deswegen ist ja auch Wisenschaft.

      Ich weiß nicht, welche Disziplin du angehörst, vieles ist je nach Disziplin sehr unterschiedlich. !500€ kommt mir sehr teuer vor, sonst sind ca. 500€ üblich. Aber klar, die Verlage die bisher Bibs und Unis ausgequetscht haben, versuchen es halt wieder neu. Ich persönlich bin kein Fan, vom "golden" Way, den/die AuthorIn zur Kasse zu bitten.

      Es steht dir auch der Green Way offen, bei fast allen Journalen die ich kenne, ist es zB den Author bzw. deren Institutionen erlaubt, die eigene Fassung der Publikationen auf der eigenen Homepage zu tun. Bitte das auch zu tun! Ob das schon "green" im Sinne von Horizon 2020 ist, weiß ich aber nicht.

    • xx13, vor 1072 Tagen, 7 Stunden, 6 Minuten

      life sciences/medizin: billigsten journals sind € 1500,- (in der medizin glaubt jeder abcashen zu können, gestützt von der wohl wahren annahme, dass es die pharmabranche und die ärzte auch tun...).

      und dass man den eigenen artikel zum download anbieten darf ist wohl keine lösung:
      1) ist es nicht bei allen journals so, und die information darüber ist nicht einfach zu erhalten
      2) wozu gibt es journals und zitat- und abstract datenbanken (z.b. pubmed), wenn man dann erst recht wieder individuell die publikationen auf diversen homepages suchen muss (zeit neben forschung, betreuung, bürokratie, lehre, antrag -, berichte - und publikationen schreiben, reviewen ist nicht gerade üppig - euphemistisch ausgedrückt).
      3) woher weiß ich, dass der heruntergeladene artikel dem peer-reviewten entspricht?

      und die jetzt schon nicht mehr sehr üppigen forschungsgelder der versch. förderungsstellen noch mit diesen geldern zu belasten ist nicht gerade eine rosige aussicht. alle brauchen publikationen als erstautoren, daher gibt es sowieso schon eine inflation dieser, und die dann noch teuer bezahlen...

      das geld wird von der inst. (dem staat), der die bibliotheken alimentiert hat, zum autor und dessen drittmittel verschoben, ohne jedoch die drittmittel aufzustocken.
      d.h. publikatorisch aktive leute werden bestraft...

      wenn schon dann müßte die univ....

    • xx13, vor 1072 Tagen, 7 Stunden, 5 Minuten

      diese fees übernehmen, sie hat auch einen nutzen davon (renomee, rankings, etc.)

    • funkelfels, vor 1072 Tagen, 5 Stunden, 12 Minuten

      @1: erstens hier
      http://www.dini.de/wiss-publizieren/sherparomeo/

      Zweitens einfach den Zettel mal durchlesen, denn du mit dem Journal unterschreibst wo du publizierst, steht eh drinnen.

      Ich weiß, alles keine ideale Lösung, aber besser als nichts wenn sich möglichst viele daran halten es zumindest auf ihre Homepage zu tun, wenns erlaubt ist, und ganz fiesen Journale die gar nichts erlauben einfach zu meiden.

    • regow, vor 1071 Tagen, 7 Stunden, 48 Minuten

      Noch einmal. Wo steht das mit den 5000 ($ wahrscheinlich)