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Ausschnitt aus dem neue entdeckten Grab in Hallstatt

Vor 2.500 Jahren reich gestorben

Das Gräberfeld im oberösterreichischen Hallstatt ist einer der wichtigsten prähistorischen Bestattungsorte Europas. Wie zwei neu entdeckte Frauengräber zeigen, ist es noch größer als bisher angenommen. Eines davon ist mit besonders reichen Grabbeigaben geschmückt.

Archäologie 19.08.2013

Bereits im 19. Jahrhundert wurden am Salzberg in Hallstatt mehr als 1.000 Gräber freigelegt. Mittlerweile kennt man rund 1.500 - aus der Zeit 800 bis 400 vor Christus, eine Epoche, die nach dem Fundort Hallstattzeit genannt wird. Gefunden wurden dabei zahlreiche Grabbeigaben, teilweise prachtvolle Gefäße, Waffen und Schmuck, die den durch Salzabbau und -handel entstandenen Wohlstand und weitreichende Handelsbeziehungen belegen.

Während das Gräberfeld also gut dokumentiert ist, weiß man über die Siedlungsgeschichte des Hallstätter Salzbergs relativ wenig. Deshalb erhofften sich die Wissenschaftler von der Erweiterung der Grabung an einer Stelle, wo alte Aufzeichnungen keine Gräber vermuten ließen, neue Erkenntnisse.

Das bei der heurigen Grabungskampagne entdeckte Grab einer Frau aus der Hallstatt-Kultur.

NHM/APA

Eines der beiden entdeckten Gräber

Veranstaltung:

Am kommenden Wochenende (24.-25. August) stellt das Naturhistorische Museum bereits zum zehnten Mal bei der Veranstaltung "Hallstatt: Archäologie am Berg" einer breiten Öffentlichkeit aktuelle Forschungen am Hallstätter Salzberg vor.

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Überreste von zwei Frauen

Sie wurden auf positive Weise enttäuscht. "Das Gräberfeld ist offenbar größer als wir dachten", sagte Anton Kern, der Direktor der Prähistorischen Abteilung am Naturhistorischen Museum Wien (NHM). Statt auf Siedlungsreste stießen sie auf einem Gelände, das relativ steil zu einem Bach abfällt, in rund 25 Zentimetern Tiefe auf zwei Gräber mit den Überresten von zwei Frauen und reichen Grabbeigaben.

Die Zuordnung der einzelnen Teile wird durch die Hanglage erschwert, durch Rutschungen der Erdschichten sind viele Knochen und Beigaben nicht mehr an ihrem ursprünglichen Ort. Zudem überschneiden die beiden Gräber einander. Bei der Anlage des jüngeren, aus der Zeit um 500 vor Christus stammenden Grabes wurde die etwas ältere Bestattung teilweise ramponiert.

"Eine Person von Rang"

Das jüngere Grab mit einer - nach ersten anthropologischen Erkenntnissen mit über 50 Jahren für die damalige Zeit relativ alten - Frau war "üppig bestückt", so Kern. Gefunden wurde eine Bronze-Fibel, ein großer Gürtel aus Bronze-Blech sowie über 400 Perlen aus Bernstein und Gagat, ein fossiles Holz.

Die Perlen sind zwischen einem Millimeter und drei Zentimeter groß, wobei selbst die kleinsten davon durchbohrt sind. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass es sich um ein prunkvolles Gehänge gehandelt hat. Weiters wurden einige Keramikgefäße und noch nicht identifizierte Eisenobjekte gefunden.

"Derart üppige Grabausstattungen kommen vor, sind aber selten. Das war sicher eine Person von Rang, die hier bestattet wurde", sagte Kern. Auch bei den menschlichen Überresten im zweiten, älteren Grab fanden sich Fußringe, einige Bernsteinperlen und Keramikgefäße.

Für heuer sind die Grabungen im Gräberfeld am Salzberg abgeschlossen. In den kommenden Jahren wollen die Wissenschaftler tiefer gehen. Denn erste Sondierungen haben gezeigt, dass sich unter den Gräbern Siedlungsreste aus der Bronzezeit finden. Auch der am Grabungsgelände vorbeifließende Bach hat beim Hochwasser im Frühjahr eine bronzezeitliche Schicht freigelegt, sagte Kern.

science.ORF.at/APA

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