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Bühnenauftritt: George Michael kniet sich rein.

Warum die 80er super sind

Zwei US-Psychologen haben die Popmusik der letzten 50 Jahre auf ihre emotionale Wirkung überprüft. Resultat: Studenten finden vor allem die aktuellen Hits gut - und jene aus den 80ern. Vermutlich sind ihre Eltern daran schuld.

Popmusik 13.09.2013

Auch in dieser Redaktion gab es bereits Diskussionen über "Careless Whisper". "Immer noch großartig", sagt die Kollegin. Sie steht wie üblich im Einklang mit der psychologischen Forschung. Der sogenannte Reminiszenz-Effekt besagt, dass uns die Musik aus dem Teenager- bzw. jungen Erwachsenenalter am ehesten im Gedächtnis haften bleibt. Die einst erfahrenen Emotionen sind auch später noch abrufbar, Gänsehaut inklusive.

Die Studie

"Cascading Reminiscence Bumps in Popular Music", Psychological Science (6.9.2013; doi: 10.1177/0956797613486486).

Carol Krumhansl und Justin Zupnick haben die Sache nun im großen Stil überprüft. Die beiden Psychologen von der University of California in Santa Cruz spielten 62 Studenten (Durchschnittsalter 20) Hits aus mehr als fünf Jahrzehnten Popgeschichte vor. Zwei topplatzierte Lieder aus den Bilboard Charts jeden Jahres, etwa "Heartbreak Hotel" von Elvis (1956), "Hey Jude" von den Beatles (1968), "Careless Whisper" von Wham! (1984), "Poker Face" von Lady Gaga (2009).

Wie zu erwarten, reagierten die Probanden vor allem auf jene Lieder, die sie im Laufe der letzten zehn Jahre begleitet hatten. Die Kurve der Präferenz bildete aber auch in den 80ern einen auffälligen Hügel. Damals waren die Studenten und Studentinnen noch nicht einmal geboren, konnten die Hitparade also kaum aktiv verfolgt haben. Erklärung der Forscher: Sie wurden offenbar durch ihre Eltern musikalisch sozialisiert.

Als die Studenten noch Kinder waren, hatten vermutlich ihre Eltern Musik aus deren Jugend gespielt - wohl vornehmlich 80er-Pop. Was wiederum bedeutet, dass der Reminiszenzeffekt ebenso in der Kindheit anschlägt und in der Generationenfolge zu Kaskaden popkultureller Prägung führt. Tatsächlich haben Krumhansl und Zupnick noch einen weiteren, wenn auch kleineren Hügel in der Kurve entdeckt. Die 60er kamen bei den Tests auch gut an.

Damals waren die Großeltern jung, sie könnten ihre Vorlieben über die Eltern an die Enkel weitergegeben haben, vermuten die beiden US-Forscher. Sie bieten auch eine alternative Erklärung für das gute Abschneiden der 60er an: "Vielleicht war die Musik damals einfach besser."

Robert Czepel, science.ORF.at

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