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Cheerleader im Stadion

Die Gruppe macht schöner

Die Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters - dieses lässt sich allerdings durch einen einfachen Trick beeinflussen, wie US-Forscher berichten. Ihre Empfehlung: Wer attraktiv wirken will, halte sich möglichst in Gruppen auf.

Cheerleader-Effekt 30.10.2013

Der Begriff "Cheerleader-Effekt" ist zwar nicht im engeren Sinne akademischen Ursprungs, aber er erfreut sich mittlerweile auch unter Forschern einer gewissen Beliebtheit. Wer die Sitcom "How I Met Your Mother" kennt, hat womöglich schon davon gehört. Barney Stinson, eine der Hauptfiguren, ist ein Egozentriker, der sich laut Drehbuch gerne zu zwei Themen äußert: Frauen im Allgemeinen und deren Aussehen im Speziellen. So etwa mit der These, Cheerleader würden in der Gruppe noch besser aussehen als solo.

Die Studie

"Hierarchical Encoding Makes Individuals in a Group Seem More Attractive", Psychological Science (doi: 10.1177/0956797613497969, 25.10.2013).

Das ist Psychologen zufolge nicht ganz aus der Luft gegriffen. Wie Drew Walker und Edward Vul von der University of California, San Diego, in einer aktuellen Studie schreiben, wirkt die Gruppe auf die Gesichter ihrer Mitglieder "glättend", sie mittelt individuelle Extreme heraus und lässt sie durchschnittlicher erscheinen. Durchschnittlichkeit als Schönheitsideal?

Durchaus, das haben bereits frühere Studien gezeigt, wenn auch eher im Sinne von Harmonie als von Dutzendmaß: Die Abwesenheit statistischer Ausreißer in der Geometrie eines Gesichts wird offenbar als schön wahrgenommen. Was freilich nicht der einzige Faktor ist. Symmetrie und Textur gelten ebenfalls als wichtige Zutaten der Attraktivität, sowie manches, was äußerlich auf einen günstigen (der Reproduktion zuträglichen) Hormonstatus hinweist - berichten zumindest Verhaltensbiologen.

Wie Pat & Patachon ...

Drew Walker und Edward Vul haben den "Cheerleader-Effekt" jedenfalls im Labor überprüft. Sie legten Probanden Fotografien von 100 verschiedenen Personen vor und baten bei jedem Bild um ein ästhetisches Urteil. Resultat: Die Gesichter auf Gruppenfotos schnitten besser ab. Wie die beiden im Fachblatt "Psychological Science" schreiben, ist der Effekt auch nicht von realen Gruppen abhängig. Versuche mit Collagen aus Einzelfotos führten zu ähnlichen Ergebnissen.

"Wenn der Durchschnitt attraktiver ist, weil er unattraktive Eigenheiten herausmittelt, dann sollten vor allem Menschen mit komplementären Gesichtern an Attraktivität gewinnen", schreiben die beiden, etwa "Menschen mit schmaler und breiter Augenpartie".

Gleichwohl lassen sich damit nur relativ geringe Wirkungen erzielen. Auf einer virtuellen Schönheitsskala von eins bis 100 würde der Effekt gerade mal zwei Punkte bringen. "Das ist nicht viel", sagt Vul, "aber manche von uns müssen jede Hilfe annehmen, die sie kriegen können."

Robert Czepel, science.ORF.at

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