Standort: science.ORF.at / Meldung: "Ehrlich währt bis nachmittags"

Mann kreuzt Finger hinter dem Rücken

Ehrlich währt bis nachmittags

Die Moral ist eine Tochter der Tageszeit - so ließe sich eine aktuelle Studie von US-Forschern zusammenfassen: Nachmittags neigen wir offenbar eher zum Lügen und Betrügen als morgens.

Psychologie 31.10.2013

"Als Forscher im Fachbereich Ethik haben wir schon unterschiedlichste Experimente zu unethischem Verhalten durchgeführt", sagt Maryam Kouchaki von der Harvard University. "Dabei fiel uns auf: Es schien bei Versuchen am Vormittag seltener aufzutreten."

Das brachte die US-Forscher zur Frage: Ist die Moral von der Tageszeit abhängig? Um das zu beantworten, stellten Kouchaki und ihr Kollege Isaac Smith Probanden eine einfache Aufgabe am Computer. Sie lautete: Wählen Sie diejenige Bildschirmhälfte aus, auf der mehr Punkte abgebildet sind.

Die Studie

"The Morning Morality Effect. The Influence of Time of Day on Unethical Behavior", Psychological Science (28.10.2013; doi: 10.1177/0956797613498099).

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 31.10., 13:55 Uhr.

Bezahlt wurden die Probanden allerdings nicht nach der Zahl der korrekten Antworten, sondern nach Zahl der Nennungen der rechten Seite. Wer wider besseres Wissen "rechts" statt "links" sagte, konnte also ein kleines Körberlgeld einstreifen. Das taten auch manche - und zwar bevorzugt zwischen 12 und 18 Uhr. Vormittags waren die Grundsätze der Probanden noch weitgehend intakt.

Ähnlich die Ergebnisse einer Ergänzungsübung. Aus "_ _ R A L" und "E _ _ _ C _ _" wurde morgens bevorzugt "moral" und "ethical", nachmittags indes "coral" und "effects". Auch bei Emails an einen virtuellen Partner nahmen es die Probanden vor 12 Uhr genauer mit der Wahrheit als danach. "Morning morality effect" nennen das die Forscher.

Die Moral ist morgens frisch, im Laufe des Tages machen sich gewisse Abnützungserscheinungen bemerkbar. Praktische Anwendungsmöglichkeiten dieser Einsicht gäbe es viele. Etwa bei Prüfungen, im Zeugenstand sowie am Standesamt.

Robert Czepel, science.ORF.at

Mehr zu diesem Thema: