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Erdkugel: Nord- und Mittelamerika

FCKW-Verbot kühlte die Atmosphäre

Seit den späten 90er Jahren ist die globale Temperatur nicht mehr nennenswert gestiegen. Die Ursache laut einer aktuellen Studie: Das Verbot jener Substanzen, die die Ozonschicht zerstören.

Klima 11.11.2013

"Falls die Erwärmung in fünf Jahren nicht wieder an Fahrt gewinnt, dann haben wir ein Problem", sagte Leopold Haimberger kürzlich in einem Interview. Nicht, dass sich der Klimaforscher von der Uni Wien über steigende Temperaturen freuen würde. Das Problem ist methodischer Natur. Nachdem weiterhin mehr oder weniger ungebremst CO2 in die Atmosphäre geblasen wird, sollte sich das auch in der Temperaturentwicklung bemerkbar machen.

Tut es aber nicht. Seit dem Jahr 1998 stagnieren die globalen Temperaturen - ein Umstand, der nach Erklärung ruft. Bisher kann man die Erwärmungsbremse noch mit natürlichen Klimaschwankungen begünden (z.B. Sonnenaktivität, Ozeanzirkulation). Aber in ein paar Jahren hat sich diese Reserve aufgebraucht. Sollte die Stagnation weiterhin bestehen bleiben, seien vielleicht die gängigen Modelle falsch, so Haimberger.

FCKW sind potente Klimagase

Ein neues Argument bringt nun Francisco Estrade in die Diskussion ein. Er hat den Zusammenhang von Temperaturentwicklung und menschlichen Einflüssen auf das Klima statistisch untersucht . Seiner Ansicht nach ist das sogenannte Montreal-Protokoll für den Temperaturstopp seit den 90ern verantwortlich. Das Umweltabkommen verbot den industriellen Gebrauch von Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffen (FCKW) und anderen Substanzen, die man für die Entstehung des Ozonlochs verantwortlich machte.

Ö1-Sendungshinweis

Über dieses Thema berichtet auch "Wissen aktuell", 11.11.2013, 13:55 Uhr.

Die FCKW sind nicht nur schlecht für die Ozonschicht, sie sind auch hochpotente Klimagase. Daher hat sich ihr Verbot auch in anderer Hinsicht positiv ausgewirkt.

Laut Estrades Statistik haben sich auch andere historische Ereignisse in die globale Klimakurve eingeschrieben. Zum Beispiel die beiden Weltkriege sowie die Wirtschaftskrise der 30er Jahre. Diese hatten laut Estrade zu einem deutlichen Abfall der CO2-Emissionen geführt.

Wärme von Tiefsee "geschluckt"

Wie die beiden Oxforder Wissenschaftler Felix Pretis und Myles Allen in einem begleitenden Kommentar schreiben, sei die Analyse zwar ein Erkenntnisgewinn, aber vermutlich "nicht die ganze Geschichte". Das Montreal-Protokoll allein reiche wohl nicht aus, um die globale Temperaturstagnation zu erklären. Alternativhypothesen gäbe es zuhauf.

Der deutsche Klimaforscher Mojib Latif geht davon aus, dass die Tiefsee die zusätzliche Wärmeenergie seit den 90ern "geschluckt" hat. Ab 2020 sollte die Wärme laut seinem Modell wieder an die Oberfläche gelangen und den Klimawandel verstärken.

Robert Czepel, science.ORF.at

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Forum

 
  • "statistisch untersucht"

    solidstate, vor 985 Tagen, 5 Stunden, 2 Minuten

    Statistisch untersucht ist auch der Zusammenhang zwischen der Zahl der brütenden Storchenpaare und der Geburtenzahl beim Menschen.