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Rohre eines Industriebetriebes vor blauem Himmel

Fossile Energieträger bleiben dominant

In den westlichen Industrieländern wurden für Erneuerbare Energien allein im vergangenen Jahr 75 Milliarden Euro ausgegeben. Der CO2-Ausstoß steigt laut Fatih Birol, Chefanalyst der Internationalen Energieagentur (IEA), dennoch unaufhaltsam weiter.

Bilanz 14.11.2013

Vor 25 Jahren betrug der Anteil fossiler Energieträger am gesamten Energiemix der Welt 82 Prozent. So groß sei der Anteil - trotz aller Bemühungen ihn zu senken - auch heute, sagte Birol der bei der Präsentation des "World Energy Outlook 2013" in Wien.

"Emissionen werden zunehmen"

"Wir erwarten, dass die CO2-Emissionen in den nächsten 20 bis 25 Jahren zunehmen werden und wir auf einem Temperaturanstieg auf der Erde um 3,6 Grad zusteuern", sagte Birol. Es sei fast unmöglich geworden, das Ziel einer Erderwärmung um maximal zwei Grad noch am Leben zu erhalten.

"Es könnte sein, dass Europa einen hohen Preis für wenig Wirkung bezahlt", warnte OMV-Chef Gerhard Roiss. Europas Anteil an den weltweiten energiebezogenen CO2-Emissionen betrage heute elf Prozent und werde in den nächsten 20 Jahren auf sieben Prozent sinken. Gleichzeitig habe Europa aufgrund hoher Energiekosten mit einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit zu kämpfen.

Während sich die USA in einer Phase der Re-Industrialisierung befänden, neue Jobs und Wachstum schaffen würden, passiere in Europa das Gegenteil. Laut Birol hat Europa derzeit einen Weltmarktanteil von 36 Prozent bei energieintensiven Gütern. Dieser Anteil werde sich bis 2035 um 10 Prozentpunkte verringern.

Kritik an Emissionshandel

Vor allem die Konzentration der USA auf Schiefergas- und Schieferöl-Förderung hat in den letzten Jahren zu massiven Veränderungen auf den Energiemärkten geführt. Weil in den USA die Nutzung von Kohle zugunsten von Gas zurückgeht, sinken dort auch die CO2-Emissionen, während sich Europa der Nutzung von Schiefergas großteils verschließt und stattdessen wieder verstärkt auf "schmutzige" Kohle setzt.

Der Gaspreis beträgt daher in Europa ein Mehrfaches des US-amerikanischen Preises - und diese Unterschiede werden auch auf längere Sicht erhalten bleiben, weil der Transport von Gas aufwendiger sei, erklärte Birol. Allein die Verflüssigung und der Transport von amerikanischem Gas nach Japan koste fast doppelt so viel wie das Gas selbst. Der Transport von Gas sei siebenmal so teuer wie jener von Erdöl.

Am aktuellen CO2-Emissionshandel lassen die Energieexperten kaum ein gutes Haar. Ein CO2-Preis unter 5 Euro pro Tonne habe keinerlei Wirkung, sagte der IEA-Chefökonom. "Erwarten Sie sich nicht allzu viel von den Karbonmärkten. Wenn Europa die Sache ernst nimmt, muss es sich anschauen, ob das Emissionshandelssystem einen Sinn hat und was die wirtschaftlichen Folgen dieser Politik sind."

Dieses Problem habe die EU-Kommission erkannt, sagte Fabrizio Barbaso, stellvertretender Generaldirektor bei der Generaldirektion für Energie. Es gebe einen Überschuss von 2 Milliarden CO2-Zertifikaten. Diese Zahl müsse wenigstens halbiert werden, um die Emissionspreise wieder steigen zu lassen. Die EU-Kommission bereite einen entsprechenden Vorschlag vor, der voraussichtlich Anfang nächsten Jahres präsentiert werde.

science.ORF.at/APA

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