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Eine Frau liegt mit Schnupfen im Bett und putzt sich gerade die Nase

Eine Grippevorhersage "in Echtzeit"

Bis zu einer halben Million Menschen sterben pro Jahr weltweit an der saisonalen Grippe. Vorhersagen für den Ausbruch einer Influenza-Epidemie könnten deshalb Leben retten. US-Forscher berichten nun von dem bisher genauesten Prognosewerkzeug: Es basiert auf realen Krankheitsfällen und Suchabfragen auf Google.

Medizin 04.12.2013

"Wenn man früher von Ausbruch und Schwere einer Grippewelle weiß, könnte man einen Teil der neuen Infektionen verhindern", sagt der Umweltmediziner Jeffrey Shaman von der Columbia University. Die Behörden könnten ihre Schutzmaßnahmen früher ergreifen, und auch die Öffentlichkeit wäre gewarnt, so der Hauptautor einer neuen Studie.

Die Studie:

"Real-time influenza forecasts during the 2012-2013 season" von Jeffrey Shaman und Kollegen ist am 3. 12. 2013 in "Nature Communications" erschienen.

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Wie Wetterprognosen

Der prinzipielle Höhepunkt von winterlichen Grippewellen in Ländern mit gemäßigtem Klima ist schon jetzt gut vorherzusagen, schreiben die Forscher. Der genaue Verlauf und die genaue Dauer lokaler Epidemien seien viel schwerer zu prognostizieren. Um genau das zu tun, haben Mediziner nun ein Werkzeug geschaffen, das ähnlich funktioniert wie Wetterprognosen. Diese kombinieren statistische Verfahren mit tatsächlichen Wetterbeobachtungen und schließen daraus, ob es morgen regnet oder die Sonne scheint.

Ähnlich hat es nun auch das Team um Shaman gemacht. Ihre tatsächlichen Beobachtungen sind die Grippefälle, die von der US-Gesundheitsbehörde CDC gesammelt werden. Die statistischen Verfahren basieren u. a. auf den Suchabfragen bei Google. Die These: Je öfter in einem bestimmten Zeitraum nach Begriffen gesucht wird, die mit Grippe zu tun haben, desto eher steht ein Krankheitsausbruch bevor. Aktuelles Beispiel: Anfang Dezember wurde die Grippehäufigkeit von Google Grippe-Trends in Österreich als "niedrig" eingeschätzt.

Zwei Drittel der Vorhersagen waren richtig

Aus der Kombination der beiden Quellen haben die Forscher ein Modell entwickelt, das sie rückwirkend auf die Grippesaison 2012/13 angewendet haben. Mit dem Modell versuchten sie, den Verlauf der Grippewellen von 108 US-Städten "in Echtzeit" vorherzusagen und verglichen das mit dem tatsächlichen Krankheitsverlauf. Vier Wochen nach Beginn der Grippesaison lagen die Prognosen von rund zwei Dritteln der Städte richtig.

Auch wenn die Trefferquoten regional unterschiedlich waren und von der Größe der Städte abhingen, waren die Resultate besser als mit jedem anderen Prognosemodell, wie die Forscher schreiben. Im Schnitt konnte der Höhepunkt der Grippeepidemie in den einzelnen Städten zwei bis vier Wochen im Voraus berechnet werden, in Extremfällen sogar neun Wochen vor dem tatsächlichen Höhepunkt.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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