Standort: science.ORF.at / Meldung: "Immunzellen reparieren überbelastete Muskeln"

Ein Läufer bei einer typischen Beinbewegung

Immunzellen reparieren überbelastete Muskeln

Das Immunsystem kämpft nicht nur gegen Krankheitserreger, es hilft auch Muskelschäden auszubessern, die beim Laufen und Radfahren entstehen. Muskel- und Immunzellen arbeiten tagelang zusammen, damit die Muskeln repariert, verstärkt und an die Belastung angepasst werden, berichten Wiener Forscher.

Medizin 10.12.2013

Der Leiter der Studie, Oliver Neubauer vom Department für Ernährungswissenschaften der Universität Wien, erreichte laut Aussendung selbst viermal das Ziel eines Ironman-Triathlons.

Die Studie:

"Time-course dependent changes in the transcriptome of human skeletal muscle during recovery from endurance exercise: From inflammation to adaptive remodeling" ist im Dezember 2013 im Fachblatt "Journal of Applied Physiology" erschienen (DOI:10.1152/japplphysiol.00909.2013).

Versuchspersonen am Laufband

Zunächst fanden die Forscher gemeinsam mit ihren australischen Kollegen im Blut von Ironman-Teilnehmern Hinweise, dass belastungsbedingte Schäden der Skelettmuskeln vor allem weiße Blutkörperchen (neutrophile Leukozyten) auf den Plan rufen und ihre Mobilisierung in die Blutzirkulation beeinflussen, erklärte Neubauer.

Schließlich ließen sie acht junge Sportler zwei Stunden lang am Laufband und Fahrrad-Ergometer trainieren, und nahmen von ihnen vor der Belastung und bis zu vier Tagen danach Blut- und Muskelproben. Mittels Gen-Chips untersuchten sie nun die Aktivitäten von 27.000 Genen in den Muskelzellen und den weißen Blutkörperchen.

Bis zu vier Tage

Sie fanden heraus, dass bestimmte Gene in den weißen Blutkörperchen durch Muskelproteine angeschaltet werden. Man habe auch Hinweise auf einen neuen Signalweg gefunden, über den die weißen Blutkörperchen verhindern, dass der ganze Körper mit einer Entzündungsreaktion antwortet.

Die Genaktivitäten in den Muskelzellen würden zeigen, dass die weißen Blutkörperchen dort bis zu vier Tage nach einer Ausdauerbelastung aktiv sein können und die muskuläre Regeneration somit nicht so schnell abgeschlossen ist. "Die Immunzellen kommunizieren mit Hilfe von kleinen Signalproteinen, den Chemokinen, mit dem Muskelgewebe und sind entscheidend an Reparatur, Neubildung und Adaptation der Muskulatur beteiligt", so Neubauer.

Dass Sportler nach einer hohen Belastung zu Infekten neigen, könne nicht in Zusammenhang mit den Immunzellen in der Muskulatur gesetzt werden, erklärt der Forscher. Es habe zwar immer wieder Spekulationen in diese Richtung gegeben, auch seine Studie liefere dafür aber keinen Beleg.

science.ORF.at/APA

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