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Jungfräuliche Empfängnis: Ein Irrtum

Kurz vor den Feiertagen berichtet das "British Medical Journal" über ein beinahe weihnachtliches Thema. Laut einer Statistik wird eines von 200 US-Babys von einer Jungfrau geboren.

Befragung 18.12.2013

"Ursprünglich haben wir etwas ganz anderes untersucht", sagt Amy Hering von der University of North Carolina in Chapel Hill. "Wir wollten mehr über das Sexualleben von US-amerikanischen jungen Frauen wissen." Bei der Auswertung einer Befragung aus den 90er-Jahren fiel der Biostatistikerin auf: 0,5 Prozent der Probandinnen hatten laut Eigenaussage bis zu ihrer Schwangerschaft keine sexuellen Erfahrungen gesammelt.

"Zuerst dachten wir, das wäre in Fehler. Doch es blieb dabei: Eine von 200 Schwangerschaften entstand ohne Intimkontakte." Was mit Blick ins Tierreich nicht ganz so absurd wäre, wie man annehmen könnte. Fortpflanzung ohne Befruchtung ("Parthenogenese") ist etwa von Haien und Schlangen wohlbekannt. Wäre es möglich, dass so etwas auch bei Säugetieren vorkommt? Könnte die Legende von Marias Jungfrauengeburt gar eine biologische Basis haben?

Die Studie:

"Like a virgin - mother -: analysis of data from a longitudinal, US population representative sample Survey" von Amy Herring und Kolleginnen ist am 17.12.2013 im "British Medical Journal" erschienen.

Nein, sagt Hill. "Die Boa constrictor kann zwar Kinder bekommen, ohne sich zuvor mit einem Männchen gepaart zu haben. Dass es so etwas auch beim Menschen gibt, kann ich ausschließen." Die Erklärung dürfte profaner sein. Die Befragten haben vermutlich Daten ein wenig durcheinandergebracht oder womöglich die Bedeutung des Begriffs "intercourse" nicht präzise erfasst. "Vielleicht wollten manche auch nicht zugeben, dass sie zum Zeitpunkt der Befragung bereits sexuelle Erfahrungen gesammelt hatten." Das könnte auch erklären, warum das Phänomen häufiger in Familien auftritt, in denen Glaube und Enthaltsamkeit vor der Ehe eine wichtige Rolle spielen.

Wenn die Studie eine Lehre bereitstellt, dann wohl eher eine methodische denn eine medizinische. Selbstbeurteilungsfragebögen müsse man eben mit einer gewissen Skepsis begegnen, sagt Hill. "Das gilt auch für andere Themen. Wenn jemand sagt, ich trinke ein Glas Wein pro Tag, dann muss das nicht unbedingt stimmen." Übrigens haben die US-Mediziner auch bei Männern ein ähnliches Mirakel festgestellt. Jungfräuliche Vaterschaft gibt es laut Statistik ebenso.

Robert Czepel, science.ORF.at

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