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Sparschwein mit Geldmünzen

Zyklisches Denken hilft beim Sparen

In der Weihnachtszeit neigen die Menschen zum Geldausgeben, zum Sparen bleibt im neuen Jahr noch genug Zeit. Forscher empfehlen, stärker in Zyklen zu denken. Das verbessere den Sparerfolg - und bringe am Jahresende Bares.

PSYCHOLOGIE 23.12.2013

Weihnachten ist nicht gerade die beste Zeit, um sich Gedanken übers Sparen zu machen. Während das Weihnachtsgeld direkt in Geschenke, Punsch und Skiausflüge investiert wird, schaffen es die Wenigsten, noch ein paar Ersparnisse ins neue Jahr zu retten. Dennoch: Die Österreicher wollen sparen. Laut einer Umfrage der Erste Bank liegt der durchschnittlich geplante Betrag für Neu- und Wiederveranlagung für die nächsten zwölf Monate bei 5.200 Euro - das sind 900 Euro mehr, als die Menschen noch vor einem Jahr angegeben hatten.

Die Studie:

Die Studie Saving in Cycles - How to Get People to Save More Money von Leona Tam und Utpal Dholakia ist am 20.12.2013 im Fachjournal Psychological Science erschienen.

Ob das auch wirklich gelingt, wird erst der Kontoauszug vom Dezember 2014 zeigen. Dabei helfen könnte aber eine aktuelle Studie eines Australisch-amerikanischen Forscherteams. Die Forscher haben ein Konzept entwickelt, das beim Sparen helfen soll - die "Murmeltiermethode". Wer jetzt an Bill Murray und den Film-Klassiker "Und täglich grüßt das Murmeltier" denkt, ist bereits auf dem richtigen Weg.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Bill Murray erlebt im Film den zweiten Februar, den so genannten Murmeltiertag, immer und immer wieder. Wie in einer Endlosschleife wiederholen sich Begegnungen, Gespräche und Ereignisse. Im Film macht sich Murray das Wissen, das er über den immer gleichen Tag besitzt, zu Nutze. Und das ist es auch, was die beiden Forscher vorschlagen. Sie gehen davon aus, dass Menschen, die die Zeit nicht als etwas Lineares, sondern als einen Zyklus von wiederkehrenden Ereignissen betrachten, mehr Erfolg dabei haben, Geld zu sparen.

Leona Tam von der University of Wollongong (New South Wales/Australien) und ihr Kollege Utpal Dholakia von der Rice University (Texas/USA) verfolgen die These, dass der konventionelle Weg zu sparen - sich an der Zukunft zu orientieren nach persönlichen Sparzielen zu streben - nicht der effektivste Weg ist. Denn, so die Forscher in einer Aussendung, der undefinierte Zeithorizont verführe Sparer dazu, zu abstrakte Ziele anstatt konkreter Pläne zu formulieren. Menschen, die das Sparen als etwas Lineares begreifen, neigen dazu zu optimistisch zu sein, wenn es darum geht, wie viel Geld sie im Laufe der Zeit ansparen können, konstatieren die Forscher.

Zyklisch Denkende verschieben das Sparen weniger

Demgegenüber stehen Menschen, die zyklisch denken. Sie begreifen das Leben eher als eine Abfolge von miteinander verbundenen, wiederkehrenden Ereignissen. Die Forscher gehen davon aus, dass jene Menschen, die in Zyklen denken, weniger anfällig dafür sind, das Sparen in eine unbestimmte Zukunft zu verschieben und stärker ausgeprägte Fähigkeiten haben, konkrete Pläne zu machen.

In einer ersten Studie wurde ein Teil der 157 Studienteilnehmer dazu aufgefordert, eine lineare Perspektive einzunehmen. Ihr Fokus wurde darauf gelenkt bestimmte Sparziele zu erreichen, sodass die Zukunft einfacher wird. Der andere Teil der Studienteilnehmer las über die zyklische Methode - ihr Fokus wurde darauf gelenkt, Routinen und Handlungen festzulegen, die wiederholt werden können. Dabei zeigte sich: Die linear instruierte Gruppe, veranschlagte geringere Ersparnisse für den kommenden Monat als die zyklisch instruierte Gruppe.

Sparen mit echtem Geld bringt den Beweis

Aber funktioniert das auch wenn es um echtes Geld und nicht nur ums Planen geht? Um das herauszufinden haben die Forscher eine zweite Studie mit 145 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt. Sie wurden dazu aufgefordert, eine von drei verschiedenen Anleitungen zum Thema Sparen zu lesen. Eine Gruppe erhielt eine linear orientierte Anleitung, eine Gruppe eine zyklisch orientierte und die dritte Gruppe erhielt keine speziellen Anweisungen. Alle drei Gruppen sollten das Gelesene auf ihr eigenes Sparverhalten in den kommenden zwei Wochen umlegen.

Die Teilnehmer, die der linearen Denkweise folgten, hatten genauso wie jene, die keine spezielle Denkweise verfolgten, nach zwei Wochen im Durchschnitt 130 bis 140 Dollar gespart. Demgegenüber hatten jene, die dem zyklischen Denken folgten nach zwei Wochen im Durchschnitt 223 Dollar gespart. Das sind rund 82 Prozent mehr, als die anderen beiden Gruppen ansparen konnten.

Die Erwartungen des Forscherteams hatten sich erfüllt: Die zyklische Gruppe konnte mehr Geld ansparen, weil sie zwar kurzfristigere - aber dafür umso konkretere Pläne für ihre Ersparnisse gemacht hatten. Und sie waren weniger optimistisch über zukünftige Einkünfte als die Probanden aus den anderen Gruppen.

Einfache Manipulation

Das zyklische Denken mag zwar nicht viel mehr als eine einfache Manipulation sein, die Forscher erwarten sich dennoch große Effekte von ihrer Methode. "Finanzberater und Institutionen könnten die Methode des zyklischen Denkens in ihre Sparprogramme miteinbeziehen. Auch politische Verantwortungsträger könnten diese Denkweise in Sozial- und Fiskalpolitische Fragestellungen einbauen, um den Bürgern beim Sparen zu helfen", so Studienautorin Leona Tam.

Sie und ihr Kollege Dholakia wollen sich weiter damit beschäftigen, welche positiven Auswirkungen das zyklische Denken auch auf Entscheidungen in anderen Bereichen haben kann - beispielsweise wenn es um die Gesundheit geht.

Theresa Aigner, science.ORF.at

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