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Impfstoff und Spritze

Testosteron könnte Impfungen beeinflussen

Frauen und Männer reagieren auf Impfungen unterschiedlich - sowohl in Bezug auf Wirksamkeit als auch auf Nebenwirkungen. Aber warum? Laut einer Untersuchung könnte das Hormon Testosteron schuld daran sein.

Medizin 23.12.2013

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Wirksamkeit von Impfungen bei Frauen und Männern unterschiedlich ausfallen können, zum Beispiel in Bezug auf Vakzine gegen Influenza, Gelbfieber, Masern und Mumps. Ein Team um Mark Davis von der Stanford-Universität in Kalifornien hat nun die Reaktionen von 53 Frauen und 34 Männern unterschiedlichen Alters auf die üblichen Grippe-Impfungen untersucht.

Die Studie

"Systems analysis of sex differences reveals an immunosuppressive role for testosterone in the response to influenza vaccination", PNAS (23.12.2013; doi: 10.1073/pnas.1321060111).

Der neuen Studie zufolge produzierten die Frauen als Reaktion mehr Antikörper und auch mehr Zytokine. Das sind Eiweiße, die ebenfalls eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen. Am deutlichsten waren die Unterschiede beim Impfstoff gegen die Grippe-Erreger A(H3N2).

Die Wissenschaftler konnten die unterschiedliche Reaktion auf eine Gruppe von Genen zurückzuführen, die mit Fett-Stoffwechsel zu tun hat, aber auch bekannt dafür ist, an einer verminderten Immunantwort beteiligt zu sein. Diese Gene reagieren verstärkt auf das männliche Sexualhormon Testosteron, wie die Autoren schreiben. Dazu passe, dass in den Versuchen Männern mit erhöhtem Testosteronspiegel eine schwächere Immunantwort auf die Grippe-Impfungen zeigten.

Frauen hätten allgemein eine stärkere Reaktion als Männer, aber die Ursache sei bisher unklar gewesen, schreiben die Forscher. Testosteron als Immundämpfer bei Männern könnte in der Entwicklungsgeschichte eventuell Vorteile geboten haben, spekuliert Davis: Es könnte das Immunsystem der häufig von Verletzungen und Infektionen bedrohten Männer vor Überreaktionen bewahrt haben. Das würde aber bedeuten, dass Männer auf ihren Impfschutz besonders gut achten sollten.

science.ORF.at/dpa

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