Standort: science.ORF.at / Meldung: "Vorurteile setzen Mädchen schachmatt"

Ein Kind sitzt mit verschränkten Armen vor einem Schachbrett

Vorurteile setzen Mädchen schachmatt

Das Vorurteil, wonach Mädchen schlechter Schach spielen als Buben, hat laut einer neuen Studie messbare Folgen. Junge Schachspielerinnen, die gegen Buben antreten, erreichen bei weitem nicht jene Spielstärke, die sie objektiv haben.

Gender 30.01.2014

Sie sitzen in der "Vorurteilsfalle", meinen die beiden Psychologen und Studienautoren Hank Rothgerber und Katie Wolsiefer.

Gemeint ist damit das Phänomen, dass die eigene Leistung schlechter wird, wenn die Angst besteht, durch das eigene Handeln Vorurteile gegenüber der eigenen sozialen Gruppe zu verstärken.

Die Studie:

"A naturalistic study of stereotype threat in young female chess players" von Hank Rothgerber und Katie Wolsiefer ist in der Online-Ausgabe 2014 der Zeitschrift "Group Processes & Intergroup Relations" erschienen.

Jüngere Mädchen besonders gefährdet

Die Psychologen haben zuerst die Einstellungen von 77 jungen Schachspielerinnen untersucht, die sie aus zwölf US-Schulen rekrutiert hatten. Die Mädchen waren mit dem Vorurteil vertraut, wonach "Buben besser spielen". Dann verglichen Rothgerber und Wolsiefer Spielresultate von rund 200 Mädchen im Alter zwischen fünf und fünfzehn Jahren mit jenen von Buben. Da es sich um offizielle Wettbewerbe des US-Schachverbands handelte, standen auch objektive Leistungseinstufungen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen zur Verfügung.

Die Auswertung der Daten zeigte, dass die Mädchen viel öfter gegen Buben verloren, als das ihrer Leistungsstärke entsprochen hätte. Sie erreichten bei diesen Duellen im Schnitt nur 83 Prozent ihrer Leistung. Besonders schlecht spielten sie gegen stärkere männliche Gegner. In diesem Fall kamen sie auf nur durchschnittlich 56 Prozent ihrer Leistungsstärke. Auch das Alter war entscheidend: Gegen ältere Buben erreichten sie nur knapp drei Viertel ihrer spielerischen Möglichkeiten. Den Hang zur "underperformance" haben jüngere Mädchen stärker als ältere.

Ganz im Gegensatz dazu standen die Leistungen der Buben. Sie übertrafen in den Duellen oft die Erwartungen, die sich aufgrund der bis dahin gezeigten Spielstärke entwickelt hatten. Dies lasse laut den Psychologen darauf schließen, "dass es etwas in der Interaktion zwischen weiblichen und männlichen Spielern gibt, das die schlechten Leistungen der Mädchen produziert".

Welche Folgen die "Vorurteilsfalle" hat, zeigten Nachfolgestudien: Ihnen zufolge nahmen Mädchen, die in den Duellen mit Buben schlechter abgeschnitten hatten, als es ihrer Leistungsstärke entspricht, immer seltener an Wettbewerben teil. Die schlechte Erfahrung scheint sie also von dem abzuhalten, was ihnen gerade noch Spaß gemacht hatte.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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