Standort: science.ORF.at / Meldung: "Roboter soll Tauchern helfen und sie verstehen"

Ein Taucher taucht zu einer Koralle auf einem Riff

Roboter soll Tauchern helfen und sie verstehen

Taucher verbringen viel Zeit unter Wasser und verrichten dabei teilweise komplexe Tätigkeiten. Ein Computersystem, das u. a. von Wiener Forschern entwickelt wird, könnte sie bald unterstützen. Das Herzstück bilden dabei zwei Roboter, die das menschliche Verhalten "verstehen" sollen.

Anthropologie 04.02.2014

Bei dem System soll ein Roboter auf der Wasseroberfläche immer über der Position des Tauchers schwimmen, während ein weiterer den Taucher voraussichtlich in Tiefen bis 40 Meter begleiten wird. Über Sensoren soll die Unterwasser-Drohne immer über die Bewegungen sowie die Herz- und Atemfrequenz des Tauchers informiert sein. Das schwimmende Gerät fungiert vorrangig als Verbindungsstelle zur Kommandozentrale über Wasser.

Grafische Darstellung der Funktionsweise von CADDY

CADDY

Grafische Darstellung der Funktionsweise von CADDY

Das Forschungsprojekt:

Das Projekt "Cognitive Autonomous Diving Buddy" (CADDY) wird im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms der EU mit 3,7 Mio. Euro gefördert. Beteiligt sind Wissenschaftler aus Kroatien, Großbritannien, Portugal, Deutschland, Italien und Malta gemeinsam mit Anthropologen der Universität Wien.

Links:

"Das ist wohl ziemlich neu, denn unter Wasser hat das noch niemand gemacht", erklärt Karl Grammer vom Department für Anthropologie der Uni Wien. Für Spezialtruppen an Land gebe es bereits Systeme, mit denen auf den Zustand der Personen mittels Herz- und Atemfrequenz geschlossen wird. "Unser System soll aber weit darüber hinausgehen", so der Forscher.

Die Daten werden voraussichtlich einerseits von Sensoren kommen, die an den Gelenken festgemacht sind. Außerdem verfolge man den Ansatz, die Person durch den immer in unmittelbarer Nähe befindlichen Tauchroboter mittels Sonarbildern zu überwachen. Grammer: "Wir testen dann, welche Informationen wir da heraus kriegen."

Langsame Bewegungen sind ein Vorteil

Darauf aufbauend werden die Wiener Forscher ihre in jahrelanger Grundlagenforschung erarbeitete Expertise dazu einbringen, wie aus Bewegungsmustern und physiologischen Daten auf den aktuellen Zustand der Person geschlossen werden kann.

"Unser Task ist die Arbeit an der kognitiven Architektur des Roboters - also, wie kann der Roboter den Taucher verstehen?", erklärt der Wissenschaftler, der betont, dass es sich hier um eine große Chance handle, Grundlagenforschung in die Anwendung zu bringen.

Unterwasser-Roboter CADDY

CADDY

Unterwasser-Roboter CADDY

Dass sich Menschen unter Wasser nur relativ langsam bewegen können, sei im Gegensatz zu früheren Analysen - etwa des Verhaltens von Politikern oder Tänzern - ein Vorteil. Das Medium Wasser bzw. Salzwasser sei insgesamt aber eine große Herausforderung.

Neben der Messung des Zustandes des Tauchers überwacht der Roboter nämlich auch die übergeordneten Missionsziele. Laut dem Forscher komme es bei solchen Einsätzen nämlich häufig dazu, dass Personen vom ursprünglichen Ziel des Tauchganges abweichen.

Der erste Prototyp sollte in eineinhalb Jahren fertig sein. Die restliche Zeit des auf drei Jahre ausgelegten Vorhabens werde man dann voraussichtlich für Tests, Evaluationen und Verbesserungen nützen, so Grammer.

science.ORF.at/APA

Mehr zu dem Thema: