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Papst Benedikt XVI winkt in die Menge

Papst macht glücklicher als Richard Dawkins

Christen sind glücklicher und denken weniger analytisch als Atheisten - das berichten US-Psychologen, die Textnachrichten auf Twitter untersucht haben. Das Ergebnis ihrer Studie liege aber nicht am Glauben selbst, sondern am sozialen Zusammenhalt, den eine Glaubensgemeinschaft bietet.

Psychologie 24.02.2014

Der Psychologe Ryan Ritter von der University of Illinois hat mit seinen Kollegen einen recht eigenwilligen Versuch unternommen, die seligmachende Wirkung von Religionen zu untersuchen. Die Forscher werteten Tweets von rund 16.000 Personen aus - die Hälfte von ihnen Gläubige, die andere Atheisten.

Die Studie:

"Christians Are Happier, More Socially Connected, and Less Analytical Than Atheists on Twitter" von Ryan S. Ritter und Kollegen ist in der Märzausgabe 2014 von "Social Psychological and Personality Science" erschienen.

Als "gläubig" wurden dabei Menschen betrachtet, die einen von fünf hochrangigen Christen - allen voran: den im Vorjahr zurückgetretenen Papst Benedikt XVI - auf Twitter folgten. Als "atheistisch" eingestuft wurden jene, die etwa dem Evolutionsbiologen und bekannten Religionskritiker Richard Dawkins folgten.

Atheisten können aber auch glücklich sein

Über die rund zwei Millionen Tweets, die die 16.000 Menschen im Jahr 2012 abschickten, ließen die Forscher eine Software laufen, die nach bestimmten Worten suchte. Ausdrücke wie "Liebe" oder "nett", wurden tendenziell als Hinweise für Glück angesehen, Begriffe wie "verletzen" oder "gemein" hingegen eher für Unglück. Mit der gleichen Logik durchkämmten die Psychologen die Textnachrichten auch nach Worten, die soziale Beziehungen und die bevorzugte Art zu denken ("intuitiv-emotional vs. analytisch-reflektiert") verrieten.

Resultat: Die "Gläubigen" twitterten nicht nur wie erwartet mehr über religiöse Themen, sie verwendeten auch öfter Ausdrücke, die auf Glück und persönliche Beziehungen zu anderen Menschen verweisen, als die "Atheisten". Die Unterschiede waren zwar nicht sehr groß (9,36 Prozent Begriffe zu sozialen Prozessen bei den Christen, 8,08 Prozent bei den anderen), laut den Forschern aber signifikant. Die "Nichtgläubigen" denken ihnen zufolge auch analytischer und reflektierter als die "Gläubigen", die eher "fühlen" als "wissen".

Das alles bedeute aber nicht, dass "Religion eine Bedingung für Glück ist und Atheisten verdammt sind, ein elendes Leben zu führen", schreiben die Autoren mitfühlend. Nicht in der Religion liege der Schlüssel zum Glück, sondern in ihren Begleiterscheinungen - allen voran die starken sozialen Bande, die im Alltag Trost und Unterstützung bieten. Dass es die auch jenseits der Religion geben kann, zeigen Studien aus säkulareren Ländern als den USA, in denen Atheisten mindestens so glücklich sind wie Gläubige.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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