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Mutter stillt ihr Kind im Bett

Ist Stillen wirklich das Beste?

"Breast is best" mit diesem Slogan wirbt man in den USA fürs Stillen. Auch hierzulande wird in den vergangenen Jahren vermehrt für diese natürliche Form der frühkindlichen Ernährung Stimmung gemacht. Einer neuen Studie zufolge wird der langfristige gesundheitliche Nutzen aber überschätzt.

Babynahrung 28.02.2014

Vermeintliches Wundermittel

Die Studie in "Social Science & Medicine":

"Is Breast Truly Best? Estimating the Effects of Breastfeeding on Long-term Child Health and Wellbeing in the United States Using Sibling Comparisons" von Cynthia G. Colen und David M. Ramey, erschienen im Jänner 2014.

Für Babys ist Stillen auf jeden Fall gesund. Zahlreiche Studien belegen beispielsweise, dass Muttermilch recht effektiv vor Magen- und Darmerkrankungen schützt. Sie enthält viele Antikörper, die alle möglichen Keime bekämpfen. Das trägt zu einem gesunden Wachstum bei.

Der natürlichen Babynahrung werden aber noch eine Reihe anderer, auch langfristiger Vorteile zugeschrieben. Die Muttermilch soll unter anderem vor späterem Übergewicht sowie vor Asthma schützen und sogar die Intelligenz fördern. Dazu gibt es ebenfalls Studien, aber diese enthalten womöglich verzerrte Ergebnisse, wie die US-Forscher Cynthia Colen und David Ramey von der Ohio State University in einer aktuellen Arbeit schreiben.

Die früheren Studien haben demnach Kinder aus unterschiedlichsten Familien miteinander verglichen, was dazu führen kann, dass in Wahrheit andere Faktoren wie etwa das Einkommen oder der soziale Status für die langfristigen Vorteile verantwortlich sind.

Andere Ursachen

Daher haben die beiden Forscher nun familieninterne Vergleiche durchgeführt. Sie haben für ihre Studie Geschwisterkinder aus 665 Familien untersucht, bei welchen eines gestillt und das andere mit der Flasche gefüttert worden war. Die Auswertung ergab keinerlei Nutzen für den gestillten Nachwuchs, die Flaschenkinder waren weder übergewichtiger, hyperaktiver noch dümmer. Wie es aussieht, ist für derartige Vorteile - wie so oft - vielmehr der soziale Hintergrund verantwortlich.

Colen und Ramey betonen, dass sie mit ihrer Studie nicht Stimmung gegen das Stillen machen wollen. Zumindest kurzfristig stehe der Nutzen völlig außer Frage. Aber die Ergebnisse könnten etwas Druck von jenen Müttern nehmen, die nicht stillen können oder wollen. Außerdem hielten sie es für sinnvoll, ärmere Haushalte zu unterstützen anstatt Geld in aufwändige Stillkampagnen zu stecken.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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