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Amy Winehouse auf der Bühne

Der Zusammenhang von Pop und Promille

Amerikanische Mediziner studieren neuerdings die Texte von Popsongs. Einer aktuellen Untersuchung zufolge bevorzugen jugendliche Trinker Popmusik mit Alkoholbezügen. Ob die Musik auch an deren Trinkgewohnheiten schuld ist, bleibt unklar.

Alkoholkonsum 10.04.2014

Pop und Alkohol, das scheint irgendwie zusammenzugehören. Nicht nur wegen privater Exzesse und betrunkener Auftritte von Stars und Ex-Stars, auch inhaltlich finden sich einige Zusammenhänge. Ob nun Jim Morrison den Weg zur nächsten Schnapsbar erfragt oder AC/DC die stimmungsaufhellende Wirkung von Destillaten erörtern - das Besäufnis hat im Pop keine schlechte Nachrede. Gedanken über gesundheitliche Fragen macht sich der durchschnittliche Musikfan dabei nicht. Brian A. Primack hingegen sehr wohl.

Der Mediziner von der University of Pittsburgh untersucht den Zusammenhang von Sucht und Massenmedien und hat im Zuge dessen schon allerlei kuriose Statistiken erstellt. So weiß Primack zu berichten, dass US-amerikanische Jugendliche täglich von acht verschiedenen Marken Bier, Wein und Schnaps in aktuellen Songtexten hören. Am öftesten wird in zeitgenössischem US-Pop ein Tequila der Marke Patron besungen, gefolgt vom Vodka Grey Goose und dem Cognac Hennessy. Das fand der Mediziner im Zuge einer Studie im Jahr 2013 (PDF.) heraus.

Ursache oder Wirkung?

Die Studie

"Receptivity to and Recall of Alcohol Brand Appearances in U.S. Popular Music and Alcohol-Related Behaviors" ist im April 2014 im Fachblatt "Alcoholism: Clinical and Experimental Research" erschienen.

Primack hat nun den Zusammenhang von Hör- und Trinkgewohnheiten untersucht - und wurde erwartungsgemäß fündig. 2.500 Jugendliche zwischen 15 und 23 Jahren nahmen an der Studie teil, knapp ein Fünftel davon fiel in die Kategorie "Rauschtrinker". Diese waren, wie Primack im Fachblatt "Alcoholism" schreibt, im Vergleich zu moderaten Trinkern oder "Abstinenzlern" auch besser mit einschlägigem Liedgut vertraut: Diejenigen, die öfter alkoholisiert seien, würden auch eher "Alkohits" wie "Pass the Patron" von 50 Cent & Tony Yayo mögen oder kennen.

Der US-Mediziner könne aber nicht sagen, ob die Musik auf die Gewohnheiten der Jugendlichen abfärbt oder umgekehrt. In wirtschaftlicher Hinsicht sind die Zusammenhänge jedenfalls einfacher zu verorten: 2002 landete Busta Rhymes mit "Pass the Courvoisier, Pt. II" einen Hit, von dem auch der Hersteller des besungenen Getränks profitieren konnte. Die Umsätze der Cognacmarke Courvoisier stiegen im Folgejahr um 19 Prozent. Die französische Firma revanchierte sich daraufhin mit einem Werbevertrag.

Robert Czepel, science.ORF.at

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