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Der gebürtige Wiener Walter Karplus erhält den Nobelpreis 2013 aus den Händen des schwedischen Königs Carl Gustav

Langes Warten auf den Nobelpreis

Wissenschaftler müssen immer länger darauf warten, einen Nobelpreis zu bekommen. Setzt sich der Trend fort, könnten verdiente Forscher die Auszeichnung in Zukunft nicht mehr erhalten, weil sie vorher sterben.

Statistik 09.04.2014

Zwischen Entdeckung und Nobelpreisverleihung vergehen immer mehr Jahre - in der Regel mehr als 20, schreibt Santo Fortunato von der finnischen Aalto-Universität im Fachjournal "Nature". Schon jetzt gebe es Beispiele, in denen es mehr als 50 Jahre gedauert hat: Der Russe Witali Ginsburg (1916-2009) bekam etwa den Preis 2003 für "bahnbrechende Arbeiten in der Theorie über Supraleiter und Supraflüssigkeiten." Die hatte er maßgeblich 1950 geleistet.

Vor 1940 seien Nobelpreise in Physik, Chemie und Medizin nur in 11, 15 und 24 Prozent der Fälle über 20 Jahre nach der Entdeckung vergeben worden, berichtete Fortunato. 1985 hatte sich der Anteil der bereits vervielfacht: Da mussten 60, 52 und 45 Prozent der Laureaten in Physik, Chemie und Medizin auf die begehrte Auszeichnung warten.

Prognose: Lebenserwartung überschritten

"Mit der Wartezeit steigt auch das Durchschnittsalter, in dem die Preisträger den Preis bekommen", erklärte der finnischen Wissenschaftler. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte demnach das statistisch berechnete durchschnittliche Alter bei der Preisvergabe die Lebenserwartung der Forscher übersteigen. Posthum darf der Preis aber nicht vergeben werden.

Eine späte Vergabe ist den Nobel-Jurys zufolge aber oft die einzig gute Lösung. "Es braucht Zeit, bis man die volle Bedeutung einer neuen Entdeckung verstehen kann", hatte der Chef des Chemie-Nobelkomitees, Sven Lidin, in einem früheren Interview gesagt. So vermeidet die Jury zum Beispiel, dass eine Vergabe einmal nicht mehr nachvollziehbar ist. Auch Entdeckungen, die nicht belegt sind, bekommen von den Komitees keine Ehrung - ein möglicher Grund dafür, dass der Astrophysiker Stephen Hawking noch keinen Preis für seine Theorien zu Schwarzen Löchern bekommen hat.

Lassen sich die Komitees allerdings künftig noch mehr Zeit, könnten traurige Fälle wie der des Immunforschers Ralph Steinman kein Einzelschicksal bleiben: Wenige Tage, bevor die Nobeljury ihn 2011 als Medizin-Preisträger verkündete, war der Kanadier gestorben. Das wussten die Juroren zu dem Zeitpunkt aber noch nicht. Erstmals seit 50 Jahren bekam ein Wissenschaftler den Nobelpreis so posthum.

science.ORF.at/dpa

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