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Studenten im Hörsaal

Schreiben ist besser als Tippen

Wer sich bei Vorträgen und Seminaren Notizen macht, sollte eher zum Kugelschreiber denn zum Laptop greifen, empfehlen US-Psychologen: Handschriftliche Aufzeichnungen sind laut einer Studie gut fürs Gedächtnis.

Psychologie 28.04.2014

Computer im Uni-Hörsaal sind heutzutage allgegenwärtig, das Schulheft indes haben sie noch nicht ersetzt. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil man mit dem Computer auch andere Dinge tun kann, als sich dem Lernstoff zu widmen. Ist der Unterricht öde, entwickelt bekanntlich selbst Solitär Unterhaltungswert. Wobei man zugeben muss: Gedankenflucht ist natürlich auch ohne Computer möglich, wer dem Unterricht partout nicht folgen will, wird das analog auch tun.

Pam Mueller und Daniel Oppenheimer wissen das. Die beiden kalifornischen Forscher untersuchen den Einfluss des Digitalen auf die Lernkultur und haben sich für ihre letzte Studie von persönlichen Erlebnissen inspirieren lassen.

Die Studie

"The Pen Is Mightier Than the Keyboard. Advantages of Longhand Over Laptop Note Taking", Psychological Science (23.4.2014; doi: 10.1177/0956797614524581).

Experiment: Notizblock vs. Computer

Mueller erinnert sich an jene Zeit, als sie noch selbst Vorlesungen besucht hat. Immer, wenn sie ihre Notizen direkt in den Laptop eingetippt habe, erzählt die Psychologin von der Princeton University, habe sie danach ein eigenartiges Gefühl beschlichen. "Ich hatte den Eindruck, die halbe Vorlesung vergessen zu haben." Ihrem Kollegen Oppenheimer sei es ähnlich gegangen, sagt Mueller.

Um zu überprüfen, ob an diesen Anekdoten etwas dran ist, baten die beiden Forscher nun 65 College-Studenten in ihr Labor und spielten ihnen fünf TED-Talks vor - Vorträge, bei denen Wissenschaftler, Politiker oder Prominente in einer Viertelstunde ihre neueste Erfindung vorstellen oder einfach ihre Weltsicht zum Besten geben. Die Probanden mussten die Inhalte der TED-Talks mitschreiben, eine Gruppe tat das per Laptop, die andere klassisch, mit Kugelschreiber und Notizblock.

Unmittelbar danach folgten ein paar Aufgaben, um das Kurzzeitgedächtnis auf eine andere Fährte zu führen, eine halbe Stunde später wurden dann die Inhalte der Videos abgeprüft. Bei faktischen Fragen (z.B. "Vor wieviel Jahren existierte die Indus-Kultur?") gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

Sehr wohl aber, wenn die Fragen konzeptuelles Verständnis betrafen - etwa: "Inwieweit unterschieden sich Japan und Schweden in Bezug auf die Gleichheit in ihren Gesellschaften?" Hier waren die Mitglieder der Kugelschreibergruppe deutlich überlegen. Ein Unterschied, der sich übrigens auch eine Woche später noch nachweisen ließ.

Schlecht: Gedankenloses Schreiben

Wie Mueller und Oppenheimer im Fachblatt "Psychological Science" schreiben, schnitten bei den Tests jene Studenten besser ab, die das Gesagte nicht wörtlich, sondern sinngemäß notiert hatten. Und dieser Faktor dürfte wiederum vom Medium anhängen. Möglicherweise verleite der Laptop eher zum mechanischen Abtippen des Gehörten, zum Transkribieren ohne Mitdenken.

"Ich glaube nicht, dass nun alle ihren Computer weglegen werden und zum Notizheft zurückkehren", sagt Mueller und verweist auf "Stylus-Technologien" und Touchpads, mit denen sich die Vorteile von analog und digital verbinden ließen. "Unsere Botschaft ist: Seien Sie bloß ein bisschen bewusster, wenn sie Aufzeichnungen machen. Das gilt für die Wahl des Mediums wie für den Inhalt."

Robert Czepel, science.ORF.at

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