Standort: science.ORF.at / Meldung: "Wie Tomaten Alarm schlagen"

Raupe klettert aus dem Loch einer Tomate

Wie Tomaten Alarm schlagen

Viele Pflanzen können einander vor Schädlingen warnen. Tomaten gehen dabei besonders raffiniert vor: Wenn sie Alarmsubstanzen abgeben, liefern sie ihren Nachbarn zugleich die Vorstufe für ein Abwehrmittel.

Chemie 28.04.2014

Kenji Matsui und seine Mitarbeiter von der Universität Yamaguchi haben das Frühwarnsystem der Tomate in einer Studie analysiert, mit streng isolierten Pflanzen und kontrollierter Luftströmung: Diese strich zum Teil über Tomaten, an denen sich der Asiatische Baumwollwurm (Spodoptera litura) gütlich tat, zum Teil über Pflanzen ohne Insektenbefall.

Die Studie

"Intake and transformation to a glycoside of 3-hexenol from infested neighbors reveals a mode of plant odor reception and defense", PNAS (doi: 10.1073/pnas.1320660111; 28.4.2014)

Wachstum von Larven gehemmt

In den Blättern der Tomatenpflanzen, die in der Luftströmung der befallenen Artgenossen standen, fand sich ein erhöhter Anteil der Chemikalie (z)-3-Hexenyl-Vicianosid (HexVic). Von ihr ist bekannt, dass sie das Wachstum der Schmetterlingslarven hemmt.

Zusätzlich zeigte die Analyse der Substanzen in der Luft, die von den befallenen Pflanzen kam, als Hauptkomponente den Stoff (z)-3-Hexenol - dieser ist ein chemischer Vorläufer bei der Bildung des wirksamen HexVic. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Die Tomatenpflanzen senden nicht nur chemische Warnmeldungen aus, sie liefern anderen Pflanzen damit sogar einen Grundstoff für ihre Verteidigung.

Forscher konnten Warnsignale auf chemischer Basis bereits bei verschiedenen Pflanzen nachweisen, unter anderem bei Tabak oder Mais. Maisblätter sondern beim Angriff von Schädlingen flüchtige Stoffe in ihre Umgebung ab, mit denen sie einerseits Feinde der attackierenden Insekten anlocken und andererseits benachbarte Pflanzen alarmieren. Die gewarnten Maispflanzen produzieren dann eine schützende Säure, mit der sie sonst nur auf äußere Verletzungen reagieren.

science.ORF.at/dpa

Mehr zu diesem Thema: