Standort: science.ORF.at / Meldung: "Freiwillige Therapiehunde sind nicht gestresst"

Baby und Hund blicken sich an

Freiwillige Therapiehunde sind nicht gestresst

Die positive Wirkung von Tieren auf Menschen wird häufig therapeutisch genutzt. Doch wie geht es den Therapiehunden dabei? Forscher der Veterinärmedizinischen Uni Wien fanden heraus, dass die Tiere während einer Gruppentherapie nicht gestresster sind als in ihrer Freizeit - vorausgesetzt, sie machen freiwillig mit.

Veterinärmedizin 29.04.2014

"Es fehlen allgemeingültige Standards für den professionellen Einsatz von Tieren in der Therapie. Diese Standards möchten wir etablieren", erklärte Lisa Maria Glenk vom Messerli Forschungsinstitut an der Vetmeduni Vienna.

Bewegungsfreiheit muss sein

Die Studie:

" Salivary cortisol and behavior in therapy dogs during animal-assisted interventions: A pilot study" erscheint in der Mai-Ausgabe des "Journal of Veterinary Behavior" (DOI:doi:10.1016/j.jveb.2014.02.005).

In der nun veröffentlichten Studie wurden fünf ausgebildete und erfahrene Therapiehunde untersucht, die regelmäßig bei Gruppensitzungen mit Drogenabhängigen dabei waren. Der Stresslevel der Tiere während und nach der Sitzung sowie in der Freizeit wurde mittels Speichelproben analysiert. Zusätzlich wurde das Verhalten der Tiere per Video dokumentiert. "Therapiehunde sind während dieser Art der Therapiearbeit nicht gestresst", fasste Glenk die Ergebnisse zusammen.

Bereits in einer früheren Studie zeigte die Wissenschaftlerin, dass Hunde, die ohne Leine in der tiergestützten Therapie mit psychiatrischen Patienten agieren, niedrigere Werte des Stresshormons Kortisol aufweisen als angeleinte Hunde. "Es hängt also davon ab, ob sich die Tiere frei bewegen können, also nicht an eine Leine gebunden sind, und ob es ihnen frei steht, jederzeit den Raum zu verlassen", betonte Glenk.

"Supervision" für Therapiehunde

Sind Therapiehunde dagegen unsicher oder überfordert, können sich Symptome wie Haarausfall, Schuppenbildung, Leinenbeißen oder Durchfall zeigen. Auch Futterverweigerung, Vermeiden des Blickkontaktes mit dem Menschen oder verminderte Konzentrationsfähigkeit können die Folge sein.

Akute Stresssignale während der Therapiestunden sollten Hundehalter ernst nehmen und die Tiere aus der Situation herausnehmen, so Glenk, die auch regelmäßige "Supervision" für Therapiehunde empfiehlt. Veterinärmediziner mit Kenntnissen aus der Verhaltensforschung könnten mit tierischer Supervision frühzeitig individuelle Auffälligkeiten bei den Therapiehunden aufspüren.

science.ORF.at/APA

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