Standort: science.ORF.at / Meldung: "Bis dass die Krankheit uns scheidet"

Eine ältere Frau und ein älterer Mann liegen von einander abgewandt im Bett, der Mann schläft, die Frau scheint frustriert.

Bis dass die Krankheit uns scheidet

"Bis dass der Tod Euch scheidet", heißt es im Eheversprechen. US-Soziologen haben nun analysiert, ob dieser Satz seine Gültigkeit behält, wenn einer der Partner krank wird. Ihr Ergebnis: Die Scheidungsrate steigt im Fall einer schweren Erkrankung - allerdings nur dann, wenn die Frau davon betroffen ist.

Soziologie 01.05.2014

Der Gesundheitszustand des Mannes hingegen bleibt ohne Folgen, berichten die Soziologinnen Amelia Karraker von der Universität Michigan und Kenzie Latham von der Purdue Universität in Indiana im Rahmen eines Vortrags.

Fast 3.000 Ehen analysiert

Der Vortrag:

"In Sickness and in Health? Physical Illness as a Risk Factor for Marital Dissolution at Older Ages" lautet der Titel des Vortrags, den Forscherinnen am 1. Mai 2014 anlässlich des Jahrestreffens der Population Association of America halten.

Die Forscherinnen analysierten Datenmaterial zu 2.717 Ehen, das im Rahmen der "Health and Retirement Study" über 20 Jahre hinweg erhoben wurde. Die Studie begann im Jahr 2012, zum Zeitpunkt der ersten Befragung war zumindest einer der beiden Ehepartner mindestens 50 Jahre alt. Als schwere Erkrankungen zählten in der Studie die Diagnosen Krebs, Herzprobleme, Lungenleiden und Schlaganfall.

"31 Prozent der Ehen endeten während der Studienperiode in einer Scheidung", berichten die Soziologinnen. Eine Erkrankung eines Partners ließ das Scheidungsrisiko nur dann steigen, wenn die Frau davon betroffen war. Kranke Männer hingegen erhöhten nicht die Gefahr einer Trennung.

Stereotype und Entscheidungen

Die Gründe wurden in der Studie zwar nicht erhoben, Amelia Karraker äußert allerdings in einer Aussendung der Universität Michigan ihre Hypothesen: "Unsere Vorstellungen von häuslicher Pflege, die noch immer zum überwiegenden Teil von Frauen erledigt wird, machen es für Männer schwieriger, in die Rolle eines Pflegenden zu schlüpfen."

Gleichzeitig müsse man im Hinterkopf behalten, dass in den USA in der betreffenden Altersgruppe meist die Frauen die Scheidung wollen. "Es könnte sein, dass Frauen mit einer schweren Erkrankung unzufrieden sind mit der Pflege durch ihre Männer und es bevorzugen, sich selbst mit Hilfe von Freunden und der übrigen Familie zu versorgen."

Konkrete Forderungen formulieren die Forscherinnen in Richtung Gesundheitspolitik: Angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft müsse man auch diese gesundheitsbedingten Scheidungen berücksichtigen und kranken Ex-Ehefrauen entsprechende Unterstützung anbieten.

science.ORF.at

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