Standort: science.ORF.at / Meldung: "Alltägliche Gefahren für die Fruchtbarkeit"

Eine Sonne aus Sonnenmilch auf einem braun gebrannten Rücken

Alltägliche Gefahren für die Fruchtbarkeit

Chemikalien in Sonnencreme, Zahnpasta und vielen anderen Artikeln des täglichen Gebrauchs können laut einer Studie die Fruchtbarkeit von Männern beeinträchtigen. Mit einem neuartigen Labortest konnte eine Gruppe deutscher und dänischer Forscher dutzende Stoffe identifizieren, die menschliche Spermien schädigen.

Zahnpasta, Sonnenmilch & Co 13.05.2014

Die Wissenschaftler um Timo Strünker vom Centre of Advanced European Studies and Research in Bonn nahmen zahlreiche hormonell aktive Stoffe unter den Lupe. Schädigende Wirkungen für Spermien zeigten unter anderen die Chemikalie 4-Methylbenzylidene Camphor (4-MBC), die als UV-Filter in Sonnencremes verwendet wird, und der Bakterienhemmer Triclosan, der in Zahnpasta, aber auch vielen Desinfektionsmitteln zum Einsatz kommt.

Kalzium macht Spermien unbeweglicher

Die Studie:

"Direct action of endocrine disrupting chemicals on human sperm" ist am 12. Mai 2014 in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "EMBO Reports" erschienen (DOI: 10.15252/embr.201438869).

Die hormonell aktiven Stoffe, die zu hunderten in Alltagsprodukten stecken, werden seit Langem mit Argusaugen beobachtet, doch gab es bisher keine wasserdichten Verfahren, um ihre Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit nachzuweisen. Das Problem halten die Wissenschaftler nun für überwunden.

"Unsere Studie bringt wissenschaftliche Beweise, um bei der Aufstellung internationaler Regeln und Praktiken zu helfen", erklärte Strünker. Er wies mit seinem Team erhöhte Kalziumwerte in den Spermien nach, die die Beweglichkeit der Samen verändern und es ihnen erschweren, die Hülle um die Eizelle zu durchdringen.

Manche Wissenschaftler bleiben skeptisch, ob sich die Laborergebnisse tatsächlich auf Menschen übertragen lassen. Die Resultate müssten nun nach dem Test an Zellen in einem nächsten Schritt bei Tierversuchen bestätigt werden, schrieb etwa der Londoner Wissenschaftler Colin Berry.

science.ORF.at/APA/AFP

Mehr zum Thema: