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Straßenbahn in Wien.

Straßenbahn auf Knopfdruck

In vielen europäischen Städten, allen voran in Frankreich, erlebt die Straßenbahn eine Renaissance. Dank Bim werden etwa in Toulouse und Paris ganze Stadtviertel aufgewertet - das könnte auch in Wien passieren.

Konzept 06.06.2014

Dass Straßenbahnen auch im zersiedelten Wiener Speckgürtel funktionieren können, glaubt Harald Frey vom Institut für Verkehrswissenschaften der Technischen Universität Wien. Sein Öffi-Konzept für Mödling, Liesing und Perchtoldsdorf klingt futuristisch - aber durchaus reizvoll.

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Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 6.6., 13:55 Uhr.

Eine Bim um 2 Uhr nachts

"Tram on Demand" auf diese drei Wörter lässt sich die Idee herunterbrechen, die dem Verkehrswissenschaftler Harald Frey für den Südraum von Wien vorschwebt. Dort, wo zwei oder drei PKWs pro Einfamilienhaus schon die Regel sind. Wie ein Taxi lässt sich die "Tram on Demand" außerhalb der Kernzeiten per Smartphone vorbestellen.

Kein 50 Meter langer Zug kommt dann zum Einsatz, sondern kleinere Kabinen, die nur für ein paar Fahrgäste Platz bieten. "Man kennt diese Konzepte ja schon aus dem arabischen und ostasiatischen Raum, sowie von großen Flughäfen. Da werden flexible Einheiten bedarfsorientiert eingesetzt."

Harald Frey

Anna Masoner/ORF

Harald Frey, TU-Wien

Vorbild Abu Dhabi

Wie in den erwähnten Modellprojekten, etwa in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten, kommt die "Tram on Demand" ohne Fahrer aus. "Viele rechtliche Aspekte sind natürlich noch unklar. Denken wir an die Diskussion um selbstfahrende Autos."

Die Umsetzung einer selbstfahrenden Bim ist allerdings technisch und deshalb auch rechtlich weniger komplex, sagt der Verkehrsplaner. "Im Unterschied zum Auto ist die Straßenbahn spurgebunden und damit auf einen ganz bestimmten Bereich fixiert." Die Umsetzung der Tram on Demand ist für Harald Frey trotzdem erst in fünf bis zehn Jahren realistisch.

Mit der der Verlegung der Gleise könnte man jedoch sofort beginnen. Denn während der Kernzeiten sollen klassische Straßenbahnen nach Takt fahren. Die Idee einer Straßenbahn für den Süden Wiens ist übrigens nicht neu. Bis 1967 führte die Linie 360 nach Mödling. Der aufkommende und scheinbar modernere Individualverkehr bedeutete ihr Aus. Dank neuer Konzepte und drohendem Verkehrskollaps gibt es vielleicht bald ein Revival.

Anna Masoner, Ö1-Wissenschaft

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