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Bauch eines Mannes

Abspecken mit beige Fett

Starkes Übergewicht ist eine Belastung für den Köper - eine Reihe von Zivilisationskrankheiten wird damit in Verbindung gebracht. Doch nicht jede Art von Fettgewebe ist gleichermaßen gefährlich: Beigefarbenes Fett hilft beim Abnehmen.

Zivilisationskrankheiten 10.06.2014

Seit einiger Zeit weiß man: Fett ist nicht gleich Fett - auf die Farbe kommt es an. Während weißes Fettgewebe lediglich als Energiespeicher und Isolationsschicht dient, lässt braunes Fett die Pfunde purzeln. Es dient dem Körper als Heizofen, der Nährstoffe verbrennt, um ihn warm zu halten. Doch je älter man wird, umso geringer ist der Anteil dieser willkommenen Speckschicht - Bierbäuche und Hüftpolster bestehen in erster Linie aus weißem Fettgewebe.

Dabei muss es aber nicht bleiben: Forscher der US-amerikanischen University of California haben nun herausgefunden, dass sich weißes in beige Fett umwandeln lässt – eine Gewebeart, die ähnlich wie das braune Fett Nährstoffe verbrennt, anstatt sie einzulagern. Die Studie wurde in der Zeitschrift "Cell" veröffentlicht.

Ö- Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 10.06., 13:55 Uhr.

Immunsystem macht Fett beige

"Sowohl bei Mäusen als auch beim Menschen wird die Produktion von beige Fett durch Kälte ausgelöst", erklärt Ajay Chawla, Leiter der Forschungsgruppe. In den weißen Fettzellen bilden sich dabei viele Mitochondrien - Zellbestandteile, die für die Energieerzeugung verantwortlich sind. Ihre bräunliche Farbe verleiht dem Gewebe seinen namensgebenden beigefarbenen Teint. Als Auslöser für diese gesundheitsfördernde Umstrukturierung hatte man lange Nervenimpulse im Verdacht. Ajay Chawla konnte das jedoch widerlegen.

"Wir haben herausgefunden, dass ein Teil des angeborenen Immunsystems, das normalerweise für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig ist, auch durch Kälte aktiviert wird." Sogenannte Makrophagen, die sonst Eindringlinge aufspüren und vernichten, wandern bei Kälte in das weiße Fettgewebe und schütten einen Signalstoff aus, der die weißen Zellen umprogrammiert. Entscheidend ist dabei der Auslöser für das ungewöhnliche Verhalten der Makrophagen: Ein im Immunsystem häufig verwendetes Molekül, Interleukin-4, signalisiert den Zellen, dass der Körper friert.

Abnehmen, ohne zu frieren

Diese Substanz hat Ajay Chawla isoliert und übergewichtigen Mäusen verabreicht. Ohne dass die Tiere frieren mussten, haben sich dadurch die Makrophagen in Bewegung gesetzt und das weiße Fett bearbeitet. "Wir konnten zeigen, dass sich das komplette Fettgewebe der Tiere umstrukturieren ließ. Aus fettleibigen Mäusen, die an den typischen Folgeerscheinungen ihres Übergewichts litten, wurden normalgewichtige, gesunde Tiere."

Als Nächstes hofft der Forscher, diesen Mechanismus auch für die Behandlung von Fettleibigkeit beim Menschen einzusetzen. Dafür wird jedoch noch einiges an Forschungsarbeit nötig sein: Interleukin-4 erfüllt eine Reihe an weiteren Aufgaben im Körper – um es zur Umwandlung von weißem in beigefarbenes Fett einsetzen zu können, darf es nirgendwo anders wirksam werden. Chawla sieht darin jedoch einen völlig neuen Ansatz zur Behandlung von Zivilisationskrankheiten wie etwa Typ-2-Diabetes. Anstatt sich auf die Insulinproduktion zu konzentrieren, könnte man damit die Ursachen für die Stoffwechselerkrankung beseitigen.

Wolfgang Däuble, Ö1 Wissenschaft

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