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Ein Mann grillt Steaks auf einem Griller

Ein Grillabend: 44 Kilogramm CO2

Fast drei Viertel aller Haushalte in Österreich besitzen ein eigenes Grillgerät, das in den Sommermonaten entsprechend zum Einsatz kommt. Was dem Menschen - von allzu verkohltem Grillgut abgesehen - wohl bekommt, verträgt unsere Umwelt allerdings weniger gut. Die Klimabilanz des Grillens.

Klimabilanz 28.06.2014

Ein Grillabend mit acht Freunden: Auf dem Grill landet ein Kilo Rindfleisch aus Argentinien, ein Kilo heimisches Geflügel, ebenso viel Gemüse und ein paar Scheiben Tofu. Dazu gibt's eine Palette Bier in Aludosen, gegrillt wird natürlich mit Holzkohle. Die CO2-Bilanz eines solchen Abends, die auf Zahlen des SERI-Instituts für Nachhaltigkeitsforschung basiert, kann sich sehen lassen: Sie entspricht mit Emissionen von knapp 44 Kilogramm in etwa einer Fahrt mit dem Auto von Wien bis zur slowenischen Grenze, also rund 230 Kilometer.

Diese Summe berechnet sich anhand sogenannter "Life Cycle Assessments", mit denen untersucht wird, wie viel CO2 und CO2-Äquivalente - also andere Stoffe, die zum Treibhauseffekt beitragen - in einem Produktlebenszyklus vom Rohstoff bis zum fertigen Nahrungsmittel entstehen.

Heiße Eisen: Die Grillarten im Vergleich

Das echte "Grillfeeling" kommt für die meisten vom traditionellen Grillen am Holzkohlengrill. Betrachtet man auch die Produktion, schneidet Grillen mit Holzkohle wesentlich schlechter ab als andere Grillformen. Mit 6,7 Kilogramm erzeugt sie nämlich fast dreimal so viel CO2 wie etwa ein Gasgrill.

Wer dennoch nicht auf das unverkennbare Holzkohlenaroma verzichten will, der sollte wenigstens auf Spiritus oder eigens hergestellte Grillanzünder verzichten. Stattdessen eignen sich auch Zapfen oder Kokosbriketts. Der klimafreundlichste Grillanzünder ist allerdings Fallholz, das beim Verrotten ohnehin CO2 abgeben würde. Verzichtet man auf andere Anzünder und berechnet diesen unvermeidbaren CO2-Ausstoß mit ein, kann man fast zwei Drittel der schädlichen Emissionen beim Grillen mit Kohle vermeiden.

Zarte Versuchung: Klimakiller Rindfleisch

Am schwersten verdaubar für die Umwelt ist Rindfleisch aus Brasilien oder Argentinien. Zwischen 13 und 30 Kilogramm CO2 pro Kilogramm Fleisch werden hier freigesetzt - für Verena Stricks vom SERI-Institut eine zurückhaltende Berechnung: Berücksichtigt werden hier nämlich nur direkte CO2-Emissionen, die bei der Herstellung und Verarbeitung der Produkte entstehen.

Daneben gibt es aber auch indirekte Emissionen, die durch veränderte Flächennutzung entstehen: "Wenn amazonischer Regenwald gerodet wird, um hinterher Weidehaltung von Rindern zu ermöglichen, dann hat das doppelt Auswirkungen auf das Klima", erklärt Stricks. "Einerseits ist die Bindung von CO2 in den Pflanzen nicht mehr möglich, andererseits diese Fläche dann tatsächlich der Fleischproduktion gewidmet, die auch wieder für Emissionen sorgt."

Berechnet man indirekte CO2-Emissionen mit ein, ergibt das bis zu 25-mal höhere Werte. Ein Kilogramm Rindfleisch aus Brasilien etwa sorgt nach dieser Berechnungsmethode für rund 335 Kilogramm CO2. Das brasilianische Flank-Steak auf dem österreichischen Grill belastet die Umwelt somit etwa gleich stark wie eine Autofahrt von Wien nach Patras in Westgriechenland - das sind immerhin 1.600 Kilometer.

Auch Schwein und Geflügel als Umweltsünder

Schweine- und Geflügelfleisch sorgen pro Kilogramm - je nach Berechnungsmethode - für CO2-Äquivalente von vier bis sieben Kilogramm. Damit belasten sie die Umwelt aber immer noch wesentlich stärker als Tofu und andere Sojaprodukte, die pro Kilogramm Lebensmittel bei konventioneller Berechnung nicht einmal ein halbes Kilogramm CO2 verursachen, unter Berücksichtigung indirekter Emissionen 3,8 Kilogramm.

Die beste Klimabilanz hat Gemüse: Rund 150 Gramm CO2 fallen pro Kilogramm Gemüse an, im Vergleich zu Rindfleisch also nur ein Zwanzigstel. Was Grillpuristen vermutlich wenig freut, bestätigt auch Thomas Lindenthal vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL): "Das ist natürlich ein emotionales und sehr sinnliches Thema. Aber wenn man den Fleischkonsum zumindest reduziert, dann kann man auch die Klimabilanz beim Grillen erheblich verbessern."

Prost Mahlzeit: Flasche statt Dose

Wer findet, dass zur guten Grillerei auch ein Bier gehört, kann auch hier der Umwelt Rechnung tragen und statt zur Aludose zur Glasflasche greifen. Zwar wird in Österreich nur recyceltes Aluminium verwendet, weshalb die schädlichen Abfallprodukte des Alurohstoffs Bauxit hierzulande laut Verena Stricks vom SERI-Institut nicht zum Problem werden.

Trotzdem verursachen Aludosen immer noch mehr als doppelt so viel CO2 wie Mehrwegflaschen - vorausgesetzt, diese werden ordnungsgemäß zurückgebracht und tatsächlich wiederverwendet. Für 1.000 Liter Bier sind das 222 Kilogramm CO2 bei Aludosen, aber nur 98 Kilogramm bei wiederverwendbaren Glasflaschen. Im eingangs berechneten Beispiel sind das also 2,64 Kilogramm CO2 für eine Palette Dosenbier.

Wer dennoch nicht auf sein Sechzehnerblech oder andere Dosendelikatessen verzichten möchte, der sollte die Verpackungen danach zumindest recyceln: Immerhin schaffen es in Österreich nur rund 60 Prozent der Dosen in die Wiederverwertung, der Rest landet auf Deponien und belastet dort die Umwelt zusätzlich.

Eiskalt berechnet: Lieber saisonal und frisch

Wer die Umwelt schonen will, sollte beim Grillen auch auf Tiefgekühltes verzichten, meint Lindenthal. Denn "auch Tiefkühlprodukte haben ihren CO2-Rucksack", so der Umweltforscher. Sowohl die Produktion bzw. der Gefriervorgang als auch die Lagerung im Supermarkt und zu Hause brauchen viel Energie und haben damit Auswirkungen auf das Klima.

Generell gilt laut Lindenthal: Lange Transportwege hätten zwar längst nicht die größten Auswirkungen auf die CO2-Bilanz, sie seien aber auch keinesfalls zu vernachlässigen. Speziell beim Gemüse gilt deshalb: saisonale und frische Produkte statt eingeflogene oder tiefgekühlte Lebensmittel verwenden.

Auch beim Fleisch schadet es nicht, bei regionalen Anbietern einzukaufen, viel mehr bringt es aber noch, auf Bioqualität zu achten. "Durch den Verzicht von Eiweißfuttermitteln aus den Tropenländern hat Biofleisch 30 bis 50 Prozent weniger CO2-Emissionen", erklärt Lindenthal. Um diese Futtermittel anzubauen, werden nämlich - ähnlich wie für die Rinderhaltung - vielfach Regenwaldflächen gerodet, und damit geht ein wichtiger CO2-Neutralisator verloren.

Clemens Wolf, Ö1 Wissenschaft

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