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Eine ausgestreckte Hand vom Handrücken aus betrachtet

Mehr Linkshänder: Im Winter geborene Männer

Männer mit einem Geburtsdatum im November, Dezember oder Jänner werden einer Studie von Wiener Forschern zufolge etwas häufiger Linkshänder. Dies könnte am Testosteronspiegel in wichtigen Phasen der Schwangerschaft liegen, der sich auf die Gehirnentwicklung auswirkt.

Psychologie 01.07.2014

Über die Mechanismen, welche Hand zur Bevorzugten wird, weiß die Wissenschaft noch nicht allzu viel. Neben gesellschaftlichen Einflüssen und genetischer Veranlagung wird auch der Hormonhaushalt im Mutterleib als Einflussfaktor diskutiert.

Die amerikanischen Neurologen Norman Geschwind und Albert Galaburda formulierten in den 1980er-Jahren eine Theorie, in der sie beschrieben, dass Testosteron in der embryonalen Entwicklung die Reifung der linken Hirnhälfte hemmt.

Eine Frage des Lichts

Da bei Rechtshändern die linke Seite dominant ist und bei Linkshändern die rechte, könnte ein zu einem bestimmten Zeitpunkt der Schwangerschaft erhöhter Testosteronspiegel eine etwas stärkere Tendenz zur Ausbildung von Linkshändigkeit zur Folge haben. Männliche Föten haben aufgrund ihrer eigenen Hormonproduktion einen prinzipiell höheren Testosteronwert, auch der Hormonspiegel der Mutter kann den Fötus zusätzlich beeinflussen. Mehr Tageslicht in den Sommermonaten erhöht den Testosteronspiegel der Mutter, was einen Jahreszeiteneffekt möglich mache, heißt es heute, Dienstag, in einer Aussendung.

Einen solchen Effekt haben Forscher der Fakultät für Psychologie der Universität Wien nun tatsächlich in zwei unabhängigen Datensätzen aus Österreich und Deutschland gefunden: Insgesamt waren unter den fast 13.000 Befragten 7,5 Prozent der Frauen und 8,8 Prozent der Männer Linkshänder. Für dieses Ungleichgewicht waren vor allem Geburtenüberschüsse männlicher Linkshänder von November bis Jänner verantwortlich.

"Während im monatlichen Schnitt 8,2 Prozent der linkshändigen Männer in den Monaten Februar bis Oktober geboren wurden, lag dieser Anteil für die Monate November bis Jänner bei 10,5 Prozent", erklärt der Erstautor der Studie, Ulrich Tran.

Ab der 14. Woche: Wichtige Phase für das Gehirn

Frühere Studien haben kein so klar interpretierbares Bild ergeben, so Tran gegenüber der APA. Die aktuellen Ergebnisse zeigen aber, dass es einen zwar kleinen, aber beständigen und somit "relativ bedeutsamen Effekt" der Jahreszeit gibt und dass dieser nur Männer betrifft. Das stütze indirekt die durchaus umstrittene Theorie von Geschwind und Galaburda.

Die Studie sei unter dem Gesichtspunkt zu sehen, dass sich die Forschung zunehmend für den Einfluss von Hormonspiegeländerungen auf die Gehirnentwicklung insgesamt interessiere.

Der gefundene Effekt sei auch ein Hinweis darauf, dass gerade in der 14. bis 18. Schwangerschaftswoche im Gehirn möglicherweise wichtige Weichen für die künftige Händigkeit gestellt werden bzw. in diesem Zeitraum das Gehirn allgemein besonders empfänglich für hormonelle Einflüsse zu sein scheint. In Zukunft gelte es, mit anderen Methoden herauszufinden, welche Wirkmechanismen dahinter stecken, so Tran.

science.ORF.at/APA

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