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Mutmaßlicher Yeti-Fußabdruck im Schnee

Der Yeti ist wohl nur ein Bär

Der sagenumwobene Yeti aus dem Himalaya ist höchstwahrscheinlich ein Bär. Das zeigen genetische Untersuchungen von Haarproben. Auch andere, vermeintlich "anomale Primaten" wie die hin und wieder in Nordamerika und Asien gesichteten Wesen Bigfoot und Almasty sind offenbar bekannte Säugetiere.

Zoologie 02.07.2014

Dies schreibt ein Team um den britischen Humangenetiker Bryan Sykes von der Universität Oxford in einer Studie. Die Forscher analysierten das Erbgut von 30 Haarproben.

Die Proben kamen aus Museen oder von Privatleuten und sollten von Yeti, Bigfoot, Almasty und einem in Sumatra gesichteten, kleinen Primaten namens Orang Pendek stammen. Die Forscher konnten alle rätselhaften Wesen entmystifizieren: Sie entpuppten sich als Eis-, Braun- oder Schwarzbären, Pferd, Kuh, Waschbär, Wolf oder Hirsch und in einem Fall sogar als Mensch.

Die Studie:

"Genetic analysis of hair samples attributed to yeti, bigfoot and other anomalous primates" von Bryan Sykes und Kollegen ist am 2.7. in den "Proceedings B" der britischen Royal Society erschienen.

Ö1-Sendungshinweis

Über dieses Thema berichtet auch "Wissen aktuell", 2.7.2014, 13:55 Uhr.

Nur ein Eisbär tanzt aus der Reihe

Ein Rätsel aber bleibt: Einige Erbgutsequenzen von zwei Haarproben aus Indien und Bhutan zeigten eine Übereinstimmung mit dem Erbgut eines Eisbären aus dem Pleistozän, der vor etwa 40.000 Jahren lebte. Ähnlichkeit mit dem Erbgut heute lebender Eisbären fanden die Forscher nicht.

Die eine, goldbraun schimmernde Haarprobe stammte von einem Tier, das ein Jäger vor etwa 40 Jahren in Indien erschossen hatte. Dem Jäger zufolge soll sich das Tier ganz anders als ein gewöhnlicher Bär verhalten haben. Die zweite rötlich-braune Probe stammte aus einem Bambuswald in Bhutan und soll von einem Migyhur stammen, dem Yeti-Äquivalent in Bhutan.

Das betreffende DNA-Segment sei nur sehr kurz, wenngleich es in einer sehr stark konservierten Region des Erbguts liege. Das Ergebnis sollte deshalb als vorläufig betrachtet werden, schreiben die Wissenschaftler. Womöglich handele es sich um eine bisher unbekannte Bärenart oder um Nachkommen eines Hybrids aus Braun- und Eisbär, der bereits kurz nach der Aufspaltung der Arten aus ihrem gemeinsamen Vorgänger entstanden ist.

Kryptozoologie, ernstgenommen

Mit Ausnahme dieser zwei Proben hätten alle Haare einem bekannten Säugetier zugeordnet werden können, schreiben die Forscher. Es sei wichtig im Kopf zu behalten, dass die Abwesenheit eines Beweises nicht der Beweis der Abwesenheit ist und die Existenz anomaler Primaten mit dieser Studie nicht völlig ausgeschlossen werden könne.

Dennoch könnten Kryptozoologen, die an Bigfoot und Co glauben, nun nicht mehr behaupten, dass sie von der Wissenschaft nicht ernst genommen werden. Es sei nun an ihnen, überzeugende Beweise für die Existenz der Wesen zu liefern.

Anja Garms, dpa

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