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Junge Frau sitzt gelangweilt vor dem Bildschirm

Lieber Elektroschocks als Nichtstun

Meditieren, Tagträumen oder einfach mit seinen Gedanken allein sein - all das fällt den meisten Menschen schwer, wie eine US-Studie zeigt. Ein verstörendes Detail: Manche sind sogar eher bereit, sich selbst leicht zu verletzen, als nichts zu tun.

Psychologie 04.07.2014

Psychologen der Universitäten von Virginia und Harvard führten insgesamt elf verschiedene Experimente durch. Mehr als 200 Menschen nahmen daran teil, darunter Studenten und Freiwillige zwischen 18 und 77 Jahren, die unter anderem aus einer Kirche und von einem Markt rekrutiert wurden.

Die Studie

"Just think: The challenges of the disengaged mind", Science (doi: 10.1126/science.1250830; 4.7.2014).

Ö1-Sendungshinweis

Über dieses Thema berichtet auch "Wissen aktuell", 4.7.2014, 13:55 Uhr.

Die wichtigste Aufgabe bestand darin, zwischen sechs und 15 Minuten allein in einem leeren Raum zu sitzen. Danach berichteten mehr als 57 Prozent der Teilnehmer, sie hätten Probleme gehabt, sich zu konzentrieren, 89 Prozent sagten, ihre Gedanken seien abgeschweift. Rund die Hälfte fühlte sich unwohl.

"Besessenheit beschäftigt zu sein"

Als die Teilnehmer das Experiment zu Hause wiederholen sollten, berichteten 32 Prozent, sie hätten geschummelt, seien vom Stuhl aufgestanden oder hätten an ihrem Telefon herumgespielt.

In einem Experiment gingen sogar zwei Drittel der Männer und ein Viertel der Frauen so weit, sich einen leichten elektrischen Schock zuzufügen, als sie mit ihren Gedanken allein waren. Laut Erin Westgate von der Universität von Virginia, eine Autorin der Studie, bevorzugten die Teilnehmer im Großen und Ganzen aber positive Ablenkungen wie Bücher, Musik oder ihr Telefon.

Allerdings gingen die Psychologen nicht so weit, die Unfähigkeit, sich allein zu beschäftigen, auf das technische Zeitalter zu schieben. "Unsere Besessenheit von Smartphones und Bildschirmen ist vielleicht vielmehr das Symptom eines existierenden Problems, als dessen Ursache", sagt Westgate. Somit wäre die ständige Nutzung der Telefone eher die Konsequenz des Bedürfnisses, ständig beschäftigt zu sein.

science.ORF.at/AFP

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